1Energie statt Differentialgleichung

1.1 Wie weit bewegt sich der Kraftangriffspunkt?

Stell dir einen Kragträger vor, an dessen Ende du mit dem Finger drückst. Das Ende gibt nach und senkt sich um ein Stück vFv_F ab. Bis jetzt hast du solche Verschiebungen über die Differentialgleichung der Biegelinie ausgerechnet: zweimal integrieren, Randbedingungen einsetzen, die ganze Funktion v(x)v(x) bestimmen. Das ist viel Arbeit, wenn dich am Ende nur eine einzige Zahl interessiert, nämlich wie weit sich genau der Punkt verschiebt, an dem die Kraft angreift.

Es geht viel kürzer, über Energie. Wenn du eine Kraft langsam aufbringst und der Stab sich dabei verbiegt, leistet die Kraft Arbeit. Diese Arbeit verschwindet nicht, sie steckt als Verformungsenergie im gebogenen Stab, genau wie in einer gespannten Feder. Setzt man beide Beträge gleich, fällt die Verschiebung als einzige Unbekannte heraus, ohne dass man je eine Differentialgleichung anfasst. Dieses Vorgehen ist die Arbeitsgleichung (auch Arbeitssatz genannt), und dieses Kapitel baut sie Schritt für Schritt auf.

Worum geht es zuerst? Bevor wir Arbeit und Energie gleichsetzen, müssen wir sauberer fassen, was „Arbeit einer Kraft" überhaupt heisst. Den Begriff kennst du aus Mechanik I, wir frischen ihn kurz auf und übertragen ihn auf den langsam belasteten Stab.

Arbeit ist Kraft mal Weg. Bewegt sich der Angriffspunkt einer Kraft F\vec{F} mit der Geschwindigkeit u˙\dot{\vec{u}}, dann ist die momentane Leistung das Skalarprodukt der beiden. Über die Zeit aufintegriert ergibt das die geleistete Arbeit. Das ist nichts Neues, nur die saubere Schreibweise von „Kraft mal Weg".

Leistung und Arbeit einer Kraft
P=F(t)u˙(t)W=t1t2Pdt\begin{aligned} P &= \vec{F}(t) \cdot \dot{\vec{u}}(t) \\ W &= \int_{t_1}^{t_2} P\,\mathrm{d}t \end{aligned}
u˙(t)\dot{\vec{u}}(t) = Geschwindigkeit des Kraftangriffspunktes (zeitliche Ableitung der Verschiebung). Die Arbeit ist das Zeitintegral der Leistung.
Notation Notation: vFv_F
Verschiebung des Kraftangriffspunktes in Richtung der Kraft. Index FF erinnert: gemessen dort, wo die Kraft F\vec{F} angreift, und in ihre Richtung.
Notation Notation: u˙\dot{\vec{u}}
Punkt über dem Symbol = Ableitung nach der Zeit. u˙=du/dt\dot{\vec{u}} = \mathrm{d}\vec{u}/\mathrm{d}t ist die Geschwindigkeit der Verschiebung u\vec{u}.

1.2 Die Arbeitsgleichung: aussen rein gleich innen gespeichert

Frage: Wohin geht die Arbeit, die du in den Stab steckst? Bei einem elastischen Körper geht nichts verloren. Die gesamte Arbeit der äusseren Lasten wird im verformten Material als innere Energie gespeichert und ist vollständig zurückgewinnbar (lässt du los, federt der Stab zurück und gibt sie wieder ab). Diese gespeicherte innere Energie heisst Deformationsenergie UU (auch Formänderungsenergie oder freie innere Energie).

Das ist der erste Hauptsatz für unseren Fall. Wir bringen die Last langsam auf, es entsteht keine Bewegungsenergie und keine Wärme. Dann sagt die Energiebilanz schlicht: was aussen an Arbeit hineingeht, sitzt innen als Deformationsenergie. Diese Gleichheit ist die Arbeitsgleichung.

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Arbeitsgleichung (Arbeitssatz)
Wext=UW_{\text{ext}} = U
WextW_{\text{ext}} = Arbeit der äusseren Lasten, UU = im Stab gespeicherte Deformationsenergie. Gilt für linear-elastische Tragwerke.

Wie sieht die äussere Arbeit konkret aus? Jede äussere Einzelkraft FiF_i leistet Arbeit längs der Verschiebung viv_i ihres eigenen Angriffspunktes, jedes äussere Moment Mz,jM_{z,j} längs der Verdrehung ϑj\vartheta'_j dort, und eine verteilte Last q(x)q(x) längs der Durchbiegung v(x)v(x) unter ihr. Der Faktor 12\tfrac{1}{2} taucht überall auf, weil die Last langsam von null bis zu ihrem Endwert anwächst. Warum gerade ein Halb, klärt die nächste Section anschaulich.

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Arbeit der äusseren Lasten
Wext=  12iFivi+12jMz,jϑj+12q(x)v(x)dx\begin{aligned} W_{\text{ext}} =\;& \frac{1}{2}\sum_i F_i v_i + \frac{1}{2}\sum_j M_{z,j}\,\vartheta'_j \\ &+ \frac{1}{2}\int q(x)\,v(x)\,\mathrm{d}x \end{aligned}
viv_i = Verschiebung unter der Einzelkraft FiF_i, ϑj\vartheta'_j = Verdrehung unter dem Moment Mz,jM_{z,j}, v(x)v(x) = Durchbiegung unter der Streckenlast q(x)q(x).
Notation Notation: UU
Deformationsenergie (Formänderungsenergie), die im verformten Stab gespeicherte innere Energie. Einheit [U]=[U] = N·m = J.
Formel Arbeitsgleichung
Wext=UW_{\text{ext}} = U
Äussere Arbeit gleich innere Deformationsenergie. Das Herzstück des ganzen Kapitels.
Querverweis Brücke
→ Kap. 5: Stoffgesetz (Hooke)

2Die innere Deformationsenergie

2.1 Warum steht da ein Halb? Die Dreiecksfläche

Denk an eine lineare Feder. Drückst du sie um den Weg vv zusammen, wächst die nötige Kraft proportional mit: am Anfang (noch nicht gespannt) brauchst du fast nichts, am Ende die volle Kraft FF. Trägst du die Kraft über dem Weg auf, bekommst du eine Gerade von null bis FF. Die geleistete Arbeit ist die Fläche unter dieser Geraden, und das ist ein Dreieck.

Ein Dreieck hat die halbe Fläche des Rechtecks. Genau daher kommt der Faktor 12\tfrac{1}{2}. Würde die volle Kraft FF von Anfang an über den ganzen Weg vFv_F wirken, wäre die Arbeit FvFF\,v_F (Rechteck). Weil die Kraft aber erst linear anwächst, ist es nur die Hälfte. Formal ist das genau das Integral der anwachsenden Kraft über den Weg.

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Äussere Arbeit einer langsam aufgebrachten Einzelkraft
Wext=0vFF(v)dv=12FvFW_{\text{ext}} = \int_0^{v_F} F(v)\,\mathrm{d}v = \frac{1}{2}\,F\,v_F
Dreiecksfläche unter der Kraft-Weg-Geraden. F(v)F(v) wächst linear von null bis zum Endwert FF, weil das Tragwerk linear-elastisch ist.

Für ein Moment gilt dasselbe Bild. Bringst du ein Moment MM langsam auf, wächst es linear mit der Verdrehung ϑ\vartheta mit, und die Arbeit ist wieder die halbe Rechteckfläche: Wext=12MϑW_{\text{ext}} = \tfrac{1}{2}M\vartheta. Kraft und Verschiebung, Moment und Verdrehung, immer dasselbe Dreieck.

Formel Dreiecksarbeit
Wext=12FvFW_{\text{ext}} = \tfrac{1}{2} F v_F
Fläche unter der linearen Kraft-Weg-Geraden. Für ein Moment: 12Mϑ\tfrac{1}{2} M \vartheta.
Merke Halb = langsam
Das 12\tfrac{1}{2} kommt allein vom langsamen Aufbringen (Kraft wächst linear mit). Volle Kraft über vollen Weg gäbe FvFF v_F.

2.2 Energie pro Beanspruchungsart: die zentrale Tabelle

Frage: Wie viel Energie steckt eigentlich im Stab? Die äussere Arbeit haben wir, jetzt brauchen wir die andere Seite der Gleichung, die innere Energie UU. Anschaulich entsteht sie auf Höhe der einzelnen Materialwürfel: jede Spannung verzerrt ihren Würfel ein wenig und speichert dabei Energie, genau wie eine winzige Feder. Summiert man diese Beiträge über den ganzen Stab, bekommt man UU als Funktion der Schnittgrössen.

Die Herleitung im Schnelldurchlauf. Pro Volumen ist die gespeicherte Energie 12σx2/E\tfrac{1}{2}\sigma_x^2/E aus der Normalspannung und 12τ2/G\tfrac{1}{2}\tau^2/G aus jeder Schubspannung (mit dem Elastizitätsmodul EE und dem Schubmodul GG aus Kap. 5). Setzt man die bekannten Spannungsverteilungen ein (Normalspannung aus NN, MyM_y, MzM_z; Schubspannung aus TT und den Querkräften) und integriert über den Querschnitt, tauchen genau die Flächenkennwerte AA, IyI_y, IzI_z, ITI_T, AsA_s wieder auf. Übrig bleibt für jede Beanspruchung ein Integral über die Stablänge.

Das Ergebnis ist die wichtigste Tabelle des Kapitels. Jede Schnittgrösse liefert einen eigenen Energie-Term derselben Bauart: das Quadrat der Schnittgrösse, geteilt durch die doppelte Steifigkeit, über die Länge integriert. Du musst die Herleitung nicht auswendig können, aber diese sechs Terme schon.

Beanspruchung Energie-Term UU
Normalkraft NN N2/(2EA)  dx\int N^2 / (2EA)\;\mathrm{d}x
Biegemoment MzM_z Mz2/(2EIz)  dx\int M_z^2 / (2EI_z)\;\mathrm{d}x
Biegemoment MyM_y My2/(2EIy)  dx\int M_y^2 / (2EI_y)\;\mathrm{d}x
Torsionsmoment TT T2/(2GIT)  dx\int T^2 / (2GI_T)\;\mathrm{d}x
Querkraft QyQ_y Qy2/(2GAs)  dx\int Q_y^2 / (2GA_s)\;\mathrm{d}x
Querkraft QzQ_z Qz2/(2GAs)  dx\int Q_z^2 / (2GA_s)\;\mathrm{d}x
Deformationsenergie je Beanspruchungsart. Bauart immer gleich: (Schnittgrösse)² durch (2 mal Steifigkeit), über die Länge integriert.

Alle zusammen ergeben die gesamte Deformationsenergie. In einer realen Aufgabe wirken meist nur ein oder zwei dieser Beanspruchungen, dann fallen die übrigen Terme weg. Man addiert die vorhandenen einfach auf.

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Gesamte Deformationsenergie
U=  Mz22EIzdx+My22EIydx+N22EAdx+T22GITdx+Qy22GAsdx+Qz22GAsdx\begin{aligned} U =\;& \int \frac{M_z^2}{2EI_z}\,\mathrm{d}x + \int \frac{M_y^2}{2EI_y}\,\mathrm{d}x + \int \frac{N^2}{2EA}\,\mathrm{d}x \\ &+ \int \frac{T^2}{2GI_T}\,\mathrm{d}x + \int \frac{Q_y^2}{2GA_s}\,\mathrm{d}x + \int \frac{Q_z^2}{2GA_s}\,\mathrm{d}x \end{aligned}
Summe der Beiträge aller Beanspruchungen. EE = Elastizitätsmodul, GG = Schubmodul, AA = Querschnittsfläche, Iy,IzI_y, I_z = Flächenträgheitsmomente, ITI_T = Torsionsträgheitsmoment, AsA_s = Schubfläche.

Was ist die Schubfläche AsA_s? Die Querkraft erzeugt keine gleichmässige Schubspannung über den Querschnitt, sondern eine, die in der Mitte am grössten und am Rand null ist (Kap. 8). Damit der einfache Energie-Term mit AsA_s trotzdem stimmt, ersetzt man die volle Fläche AA durch eine kleinere Schubfläche As=κAA_s = \kappa\,A. Der Schubkorrekturfaktor κ\kappa hängt nur von der Querschnittsform ab.

Schubfläche
As=κAA_s = \kappa\,A
κ\kappa = Schubkorrekturfaktor (formabhängig): Rechteck κ=5/6\kappa = 5/6, Kreis κ1/2\kappa \approx 1/2, I-Träger κASteg/A\kappa \approx A_{\text{Steg}}/A.
Formel Bauart eines Energie-Terms
Ui=()22(Steifigkeit)dxU_i = \int \frac{(\,\cdot\,)^2}{2\,(\text{Steifigkeit})}\,\mathrm{d}x
N2/(2EA)\int N^2/(2EA), M2/(2EI)\int M^2/(2EI), T2/(2GIT)\int T^2/(2GI_T), Q2/(2GAs)\int Q^2/(2GA_s). Dieselbe Form, andere Steifigkeit.
Notation Notation: AsA_s, κ\kappa
As=κAA_s = \kappa A = Schubfläche, kleiner als die volle Fläche AA. κ\kappa = Schubkorrekturfaktor (Rechteck 5/65/6, Kreis 1/2\approx 1/2).
Merke Steifigkeiten
EAEA (Dehnung), EIEI (Biegung), GITGI_T (Torsion), GAsGA_s (Schub). Jede gehört zu ihrer Beanspruchung.

2.3 Achtung: innere Energie ist nicht superponierbar

Frage: Darf ich die Energien zweier Lasten einfach addieren? Bei den Schnittgrössen selbst hast du das immer gedurft: wirken zwei Lasten, addieren sich ihre Biegemomente zu M=M1+M2M = M_1 + M_2. Bei der Energie geht das aber nicht, denn in der Energie steht das Quadrat der Schnittgrösse, und ein Quadrat einer Summe ist nicht die Summe der Quadrate.

Das ist reine Algebra. (M1+M2)2=M12+2M1M2+M22(M_1 + M_2)^2 = M_1^2 + 2 M_1 M_2 + M_2^2. Der gemischte Term 2M1M22 M_1 M_2 fehlt, wenn man nur M12+M22M_1^2 + M_2^2 rechnet. Genau dieser Kreuzterm ist es, der gleich in Section 4 die Verschiebung an beliebiger Stelle liefert, also kein lästiges Detail, sondern der Schlüssel zur ganzen Methode.

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Energie ist nicht superponierbar
(M1+M2)2M12+M22(M_1 + M_2)^2 \neq M_1^2 + M_2^2
Der fehlende Kreuzterm ist 2M1M22 M_1 M_2. Schnittgrössen darf man überlagern, ihre Energien nicht.
Merke Reihenfolge
Erst alle Schnittgrössen addieren (M=MiM = \sum M_i), dann quadrieren. Nie umgekehrt.
Formel Kreuzterm
(M1+M2)2=M12+2M1M2+M22(M_1+M_2)^2 = M_1^2 + 2M_1 M_2 + M_2^2
Der Term 2M1M22M_1 M_2 wird in Section 4 zur Verschiebung an beliebiger Stelle.

3Verschiebung am Kraftangriffspunkt

3.1 Die direkte Methode in vier Schritten

Jetzt setzen wir beide Seiten gleich. Aussen leistet die Kraft die Dreiecksarbeit Wext=12FvFW_{\text{ext}} = \tfrac{1}{2} F\,v_F, innen sitzt die Deformationsenergie UU aus der Tabelle. Der Arbeitssatz Wext=UW_{\text{ext}} = U verknüpft beide, und die gesuchte Verschiebung vFv_F ist die einzige Unbekannte. Auflösen liefert sie direkt.

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Verschiebung am Kraftangriffspunkt
12FvF=U    vF=2UF\frac{1}{2} F\,v_F = U \;\Longrightarrow\; v_F = \frac{2U}{F}
Greift statt einer Kraft ein Moment MM an, gilt analog vF=2U/Mv_F' = 2U/M für die Verdrehung an dieser Stelle.

Daraus wird ein festes Kochrezept. Vier Schritte, immer dieselben, und du hast die Verschiebung am Angriffspunkt der Last.

Das Vier-Schritte-Rezept

  1. Schritt 1: Beanspruchungen bestimmen
    Welche Schnittgrössen wirken überhaupt? Schneide das Tragwerk frei und schreibe die Verläufe als Funktion der Laufkoordinate auf.
    Liefert N(x)N(x), My(x)M_y(x), Mz(x)M_z(x), T(x)T(x), Q(x)Q(x) in jedem Abschnitt.
  2. Schritt 2: Deformationsenergie aufstellen
    Setze die Verläufe aus Schritt 1 in die Energie-Tabelle ein. Nur die tatsächlich vorhandenen Beanspruchungen tauchen auf.
    U=N22EAdx+T22GITdx+Mz22EIzdx+U = \int \frac{N^2}{2EA}\,\mathrm{d}x + \int \frac{T^2}{2GI_T}\,\mathrm{d}x + \int \frac{M_z^2}{2EI_z}\,\mathrm{d}x + \ldots
  3. Schritt 3: Äussere Arbeit ansetzen
    Die gesuchte Kraft leistet Dreiecksarbeit an ihrer eigenen Verschiebung.
    Wext=12FvF(oder 12MvF bei einem Moment)W_{\text{ext}} = \tfrac{1}{2}\,F\,v_F \quad (\text{oder } \tfrac{1}{2}\,M\,v_F' \text{ bei einem Moment})
  4. Schritt 4: Arbeitssatz auflösen
    Gleichsetzen und nach der einzigen Unbekannten umstellen.
    Wext=U    vF=2UFW_{\text{ext}} = U \;\Longrightarrow\; v_F = \frac{2U}{F}
Formel Direkte Methode
vF=2UFv_F = \frac{2U}{F}
Verschiebung am Kraftangriffspunkt. Für ein Moment: vF=2U/Mv_F' = 2U/M.
Merke Vier Schritte
1. Beanspruchungen, 2. Energie UU, 3. Wext=12FvFW_{\text{ext}} = \tfrac{1}{2}Fv_F, 4. gleichsetzen und auflösen.
Prüfungstipp Grenze der Methode
Nur am Lastpunkt, nur in Lastrichtung, nur bei einer einzigen Last. Sonst Section 4.

3.2 Beispiel: Absenkung eines Trägers mit Zugstrebe

Worum geht es? Ein durchgehender Balken A-B-D (Biegesteifigkeit EIEI) ist an der Stelle B über eine schräge Strebe B-E (Dehnsteifigkeit EAEA) gelenkig abgestützt. Die drei Felder A-B, B-D haben je die Länge LL. An der Stelle A greift eine Kraft FF nach unten an. Gesucht ist die Absenkung vFv_F genau unter dieser Kraft. Weil FF und vFv_F am selben Punkt sitzen, passt die direkte Methode aus Section 3.1 perfekt. Es treten zwei Beanspruchungen auf: Biegung im Balken und Normalkraft in der Strebe.

Lösungsweg in vier Schritten

  1. Schritt 1: Beanspruchungen bestimmen
    Aus dem Gleichgewicht folgen die Lagerkraft in der Strebe und der Biegemomenten-Verlauf im Balken.
    Die Strebe B-E trägt die Normalkraft NBE=32FN_{BE} = \tfrac{3}{2}F. Das Biegemoment im Balken ist dreieckförmig mit dem Spitzenwert Mz=FLM_z = F L an der Stütze B (und null an den Enden A und D).
  2. Schritt 2: Deformationsenergie aufstellen
    Normalkraft-Energie in der Strebe plus Biege-Energie in den beiden Balkenfeldern A-B und B-D.
    U=12EALNBE2dx+12EIzABMz2dx+12EIzBDMz2dxU = \frac{1}{2EA}\int_L N_{BE}^2\,\mathrm{d}x + \frac{1}{2EI_z}\int_{AB} M_z^2\,\mathrm{d}x + \frac{1}{2EI_z}\int_{BD} M_z^2\,\mathrm{d}x
  3. Schritt 3: Integrale auswerten
    Der Normalkraft-Term ist konstant mal Länge. Die beiden Biege-Integrale sind Produkte zweier Dreiecke und werden mit der Koppeltafel aus Section 5 schnell ausgewertet (13pks\tfrac{1}{3} p\,k\,s je Dreieck-mal-Dreieck).
    U=98F2LEA+12EIz[13(FL)(FL)L+13(FL)(FL)2L]=98F2LEA+F2L32EIzU = \frac{9}{8}\frac{F^2 L}{EA} + \frac{1}{2EI_z}\Big[\tfrac{1}{3}(FL)(FL)\,L + \tfrac{1}{3}(FL)(FL)\,2L\Big] = \frac{9}{8}\frac{F^2 L}{EA} + \frac{F^2 L^3}{2EI_z}
  4. Schritt 4: Arbeitssatz auflösen
    Dreiecksarbeit der Kraft gleich der Energie, dann nach vFv_F umstellen (vF=2U/Fv_F = 2U/F).
    vF=2UF=94FLEA+FL3EIzv_F = \frac{2U}{F} = \frac{9}{4}\frac{F L}{EA} + \frac{F L^3}{EI_z}
Merke Ergebnis
vF=94FLEA+FL3EIzv_F = \dfrac{9}{4}\dfrac{FL}{EA} + \dfrac{FL^3}{EI_z}. Erster Term Strebe (Dehnung), zweiter Balken (Biegung).
Querverweis Brücke
→ Koppeltafel (Section 5)

4Verschiebung an beliebiger Stelle

4.1 Das Problem: was, wenn dort gar keine Kraft sitzt?

Frage: Wie weit verschiebt sich ein Punkt, an dem gar keine Last angreift? Die direkte Methode vF=2U/Fv_F = 2U/F braucht eine Kraft genau dort, wo du die Verschiebung wissen willst. Oft ist aber die interessante Stelle lastfrei: die Mitte eines Trägers, ein Auflager, irgendein Konstruktionspunkt. Dort gibt es kein FF, durch das man teilen könnte.

Auch zwei Lasten machen Ärger. Wirken gleichzeitig F1F_1 und F2F_2, dann ist Wext(v1,v2)=UW_{\text{ext}}(v_1, v_2) = U eine einzige Gleichung mit zwei unbekannten Verschiebungen. Eine Gleichung, zwei Unbekannte, das ist nicht lösbar. Die direkte Methode stösst hier an ihre Grenze.

Die Idee in einem Satz. Setze gedanklich eine zusätzliche Hilfskraft genau an die Stelle, deren Verschiebung du suchst, und genau in die Richtung, in die du sie suchst. Diese Hilfskraft schafft den fehlenden Hebel: ihre Arbeit an der gesuchten Verschiebung macht diese rechenbar. Wie das im Detail funktioniert und warum am Ende eine Hilfskraft der Grösse „1" genügt, zeigt die nächste Section.

Merke Grenze der direkten Methode
Versagt an lastfreien Punkten und bei mehreren Lasten (eine Gleichung, mehrere unbekannte Verschiebungen).
Notation Notation: Lastfall (LF)
Ein „Lastfall" ist ein vollständiger Belastungszustand des Tragwerks. LF0 = die wirklichen Lasten, LF1 = nur die Hilfskraft.

4.2 0-System und 1-System: der Kreuzterm als Hebel

Wir trennen die Belastung in zwei Lastfälle. Das 0-System (Lastfall LF0) ist das gegebene, statisch bestimmte Tragwerk unter den wirklichen Lasten, es erzeugt die Schnittgrössen Mz,0,My,0,N0,T0,M_{z,0}, M_{y,0}, N_0, T_0, \ldots. Das 1-System (Lastfall LF1) ist dasselbe Tragwerk, aber belastet nur durch eine Hilfskraft „1" an der gesuchten Stelle, es erzeugt Mz,1,My,1,N1,T1,M_{z,1}, M_{y,1}, N_1, T_1, \ldots.

Jetzt nutzen wir die Nicht-Superponierbarkeit aus Section 2.3. Bringt man beide Lastfälle gemeinsam auf, steht in der Energie das Quadrat der Summe der Momente. Beim Ausmultiplizieren entsteht der Kreuzterm: (M0+M1)2=M02+2M0M1+M12(M_0 + M_1)^2 = M_0^2 + 2 M_0 M_1 + M_1^2. Der Mittelteil 2M0M12 M_0 M_1 ist genau die zusätzliche Arbeit ΔWext\Delta W_{\text{ext}}, die entsteht, weil die schon voll wirkende Hilfskraft längs der vom 0-System erzeugten Verschiebung mitarbeitet.

Kreuzterm als zusätzliche Arbeit (am Beispiel Biegung)
ΔWext=1EIM0M1dx\Delta W_{\text{ext}} = \frac{1}{EI}\int M_0\,M_1\,\mathrm{d}x
Aus 12EI(M0+M1)2dx\tfrac{1}{2EI}\int(M_0+M_1)^2\,\mathrm{d}x ist das der gemischte Anteil. Hier ohne Faktor 12\tfrac{1}{2}, weil die Hilfskraft bei diesem Anteil schon voll wirkt.

Diese Zusatzarbeit ist Hilfskraft mal gesuchte Verschiebung. Die Hilfskraft H1H_1 ist während des Kreuzterms voll da und verschiebt sich um die gesuchte Strecke δ10\delta_{10} (Verschiebung an Stelle 1, verursacht durch Lastfall 0). Also H1δ10=ΔWextH_1\,\delta_{10} = \Delta W_{\text{ext}}. Stellt man nach δ10\delta_{10} um, steht die gesuchte Verschiebung da.

Der entscheidende Trick: das Moment ist proportional zur Hilfskraft. Verdoppelst du die Hilfskraft, verdoppelt sich ihr Momenten-Verlauf M1M_1. Der Quotient M1/H1M_1/H_1 bleibt also gleich, unabhängig von der gewählten Grösse der Hilfskraft. Deshalb darf man die Hilfskraft beliebig wählen, am bequemsten genau H1=1H_1 = 1.

Notation Notation: M0M_0, M1M_1
M0M_0 = Schnittgrösse aus den wirklichen Lasten (LF0). M1M_1 = Schnittgrösse aus der Hilfskraft „1" (LF1). Analog N0/N1N_0/N_1, T0/T1T_0/T_1.
Notation Notation: δ10\delta_{10}
Verschiebung an Stelle 1 (wo die Hilfskraft sitzt), verursacht durch Lastfall 0 (die wirklichen Lasten). Genau die gesuchte Grösse.
Merke Hebel
Hilfskraft mal gesuchte Verschiebung gleich Kreuzterm: H1δ10=1EIM0M1dxH_1\,\delta_{10} = \tfrac{1}{EI}\int M_0 M_1\,\mathrm{d}x.

4.3 Die Einheitslast-Formel und das Vorgehen

Setzt man die Hilfskraft auf eins, entsteht die zentrale Formel des Kapitels. Sie gilt nicht nur für Biegung, sondern für jede Beanspruchung: jede Schnittgrösse aus dem 0-System wird mit derselben Schnittgrösse aus dem 1-System multipliziert, durch die zugehörige Steifigkeit geteilt und über die Länge integriert. Die einzelnen Beiträge werden addiert.

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Einheitslast-Methode (Prinzip der virtuellen Kräfte)
v=  Mz,0Mz,1EIzdx+My,0My,1EIydx+N0N1EAdx+T0T1GITdx+\begin{aligned} v =\;& \int \frac{M_{z,0}\,M_{z,1}}{EI_z}\,\mathrm{d}x + \int \frac{M_{y,0}\,M_{y,1}}{EI_y}\,\mathrm{d}x \\ &+ \int \frac{N_0\,N_1}{EA}\,\mathrm{d}x + \int \frac{T_0\,T_1}{GI_T}\,\mathrm{d}x + \ldots \end{aligned}
vv = gesuchte Verschiebung an der Stelle und in der Richtung der Hilfskraft „1". Index 0 = wirkliche Lasten, Index 1 = Einheitslast. Beachte: hier steht kein Faktor 12\tfrac{1}{2} mehr.

Verdrehung statt Verschiebung? Nimm ein Einheitsmoment. Willst du nicht die Verschiebung, sondern die Verdrehung φ\varphi an einer Stelle wissen, setzt du dort statt einer Einheitskraft ein Einheitsmoment „1" als 1-System an. Die Formel bleibt identisch, nur erzeugt das Hilfsmoment jetzt den Verlauf M1M_1. Verschiebung in beliebige Richtung, Verdrehung um beliebige Achse, an jedem Punkt machbar.

Das praktische Vorgehen. Drei Schritte führen zum Ziel, und ein cleverer Trick spart Rechenzeit.

Vorgehen mit Hilfskraft

  1. Schritt 1: 0-System auswerten
    Das Tragwerk unter den wirklichen Lasten freischneiden.
    Liefert die Verläufe M0(x)M_0(x), N0(x)N_0(x), T0(x)T_0(x) aller wirklich auftretenden Beanspruchungen.
  2. Schritt 2: 1-System auswerten
    Dasselbe Tragwerk, lastfrei bis auf eine Einheitskraft (oder ein Einheitsmoment) an der gesuchten Stelle und in der gesuchten Richtung.
    Liefert die Verläufe M1(x)M_1(x), N1(x)N_1(x), T1(x)T_1(x) aus der Hilfslast „1".
  3. Schritt 3: Produkte integrieren und addieren
    Jede Beanspruchung mit ihrem Gegenstück multiplizieren, durch die Steifigkeit teilen, über die Länge integrieren.
    v=M0M1EIdx+N0N1EAdx+T0T1GITdxv = \int \frac{M_0\,M_1}{EI}\,\mathrm{d}x + \int \frac{N_0\,N_1}{EA}\,\mathrm{d}x + \int \frac{T_0\,T_1}{GI_T}\,\mathrm{d}x
Formel Einheitslast-Formel
v=M0M1EIdx+N0N1EAdx+v = \int \frac{M_0 M_1}{EI}\,\mathrm{d}x + \int \frac{N_0 N_1}{EA}\,\mathrm{d}x + \ldots
Hilfskraft „1" an der gesuchten Stelle. Verdrehung: Einheitsmoment statt Einheitskraft.
Merke Reihenfolge
1-System zuerst (einfacher). Wo M1=0M_1 = 0, ist M0M1=0M_0 M_1 = 0: dort nichts rechnen.

5Die Koppeltafel

5.1 Produkt-Integrale ohne Stammfunktion

Frage: Muss ich jedes M0M1dx\int M_0 M_1\,\mathrm{d}x wirklich von Hand integrieren? Zum Glück nicht. Die Schnittgrössen-Verläufe in statisch bestimmten Tragwerken sind fast immer einfache Formen: konstante Rechtecke, lineare Dreiecke, quadratische Parabeln. Das Produkt zweier solcher Standardformen, integriert über die Länge, ergibt jedes Mal denselben Typ von Ausdruck. Diese Ergebnisse sind ein für alle Mal in einer Koppeltafel (auch Integraltafel) zusammengefasst.

Wie liest man sie? Du hast zwei Verläufe über demselben Abschnitt der Länge ss: den einen nennst du p(x)p(x), den anderen k(x)k(x). Du suchst in der Tabelle die Zeile für die Form von pp und die Spalte für die Form von kk, liest den Faktor ab und setzt die Spitzenwerte pp und kk sowie die Länge ss ein. Fertig ist das Integral, ganz ohne Stammfunktion.

Notation Notation: pp, kk, ss
p(x)p(x) und k(x)k(x) = die beiden zu multiplizierenden Verläufe (z. B. M0M_0 und M1M_1). ss = Länge des Abschnitts. p,kp, k stehen für die jeweiligen Spitzenwerte.
Merke Häufigster Eintrag
Dreieck mal Dreieck (Spitzen gleichseitig): 13pks\tfrac{1}{3} p\,k\,s. Dreieck mal Rechteck: 12pks\tfrac{1}{2} p\,k\,s.

5.2 Die Tafel der Produkt-Integrale

Hier sind die wichtigsten Einträge. Jede Zeile gibt das Integral 0sp(x)k(x)dx\int_0^s p(x)\,k(x)\,\mathrm{d}x für eine Kombination der beiden Verlaufsformen, ausgedrückt durch die Spitzenwerte pp, kk und die Abschnittslänge ss. Bei zwei linearen Verläufen, die an den Enden verschiedene Werte plp_l (links) und prp_r (rechts) annehmen, braucht es die allgemeineren Formeln am Schluss.

Form p(x)
Form k(x)
0spkdx\int_0^s p\,k\,\mathrm{d}x
12pks\tfrac{1}{2}\,p\,k\,s
23pks\tfrac{2}{3}\,p\,k\,s
13pks\tfrac{1}{3}\,p\,k\,s
16pks\tfrac{1}{6}\,p\,k\,s
13pks\tfrac{1}{3}\,p\,k\,s
815pks\tfrac{8}{15}\,p\,k\,s
s2(pl+pr)k\tfrac{s}{2}\,(p_l + p_r)\,k
s6(2pl+pr)k\tfrac{s}{6}\,(2p_l + p_r)\,k
Koppeltafel: 0sp(x)k(x)dx\int_0^s p(x)\,k(x)\,\mathrm{d}x für gängige Verlaufsformen. pp, kk sind die Spitzenwerte, ss die Abschnittslänge.
Formel Allgemein linear mal Dreieck
0spkdx=s6(2pl+pr)k\int_0^s p\,k\,\mathrm{d}x = \tfrac{s}{6}(2p_l + p_r)\,k
pl,prp_l, p_r = linker und rechter Endwert des linearen Verlaufs. Deckt auch unsymmetrische Fälle ab.
Merke Faktor-Falle
Dreieck mal Dreieck: 13\tfrac{1}{3} (Spitzen gleichseitig) gegen 16\tfrac{1}{6} (gegenseitig). Skizze entscheidet.

5.3 Beispiel: Absenkung und Neigung am Kragträger-Ende

Worum geht es? Ein bei A eingespannter Kragträger A-B-C (Länge 2L2L, Biegesteifigkeit EIEI) wird an der Stelle B durch eine schräge Kraft vom Betrag 2F\sqrt{2}\,F unter 4545^\circ belastet. Diese Schrägkraft zerlegt sich in eine vertikale und eine horizontale Komponente vom Betrag je FF. Gesucht sind am freien Ende C die Vertikalverschiebung vCv_C und die Neigung φC\varphi_C. Beide Stellen sind lastfrei, also brauchen wir die Einheitslast-Methode aus Section 4.

Was liefert das 0-System? Die vertikale Komponente FF an B erzeugt ein dreieckförmiges Biegemoment M0M_0 mit dem Spitzenwert FLFL an der Einspannung A (und null ab B nach C, weil dahinter keine Querlast mehr wirkt). Die horizontale Komponente erzeugt nur eine Normalkraft, die für die Biege-Verschiebung nicht zählt. Wir rechnen daher nur mit der Biegung.

Teil a: Vertikalverschiebung vCv_C

  1. Schritt 1: 0-System (Biegemoment)
    Die vertikale Last FF an B biegt den Träger. Das Moment wächst linear zur Einspannung hin.
    M0(x)=F(Lx)M_0(x) = F(L - x) im Feld A-B (Spitzenwert FLFL bei A, null bei B), und M0=0M_0 = 0 im Feld B-C.
  2. Schritt 2: 1-System (Einheitskraft vertikal an C)
    Für die Vertikalverschiebung an C setzen wir dort eine vertikale Einheitskraft an. Sie wirkt über die ganze Länge 2L2L bis zur Einspannung.
    M1(x)=1(2Lx)M_1(x) = 1\cdot(2L - x), ein Dreieck mit dem Spitzenwert 2L2L an der Einspannung A.
  3. Schritt 3: Produkt integrieren (Koppeltafel)
    Nur im Feld A-B ist M00M_0 \neq 0, also integrieren wir nur dort. Beide Verläufe sind Dreiecke, deren Werte bei A am grössten sind; mit der allgemeinen linear-mal-Dreieck-Zeile der Tafel:
    vC=1EI0LM0M1dx=1EI(FL)L6(22L+L)=56FL3EIv_C = \frac{1}{EI}\int_0^{L} M_0\,M_1\,\mathrm{d}x = \frac{1}{EI}\,(FL)\cdot\frac{L}{6}\,(2\cdot 2L + L) = \frac{5}{6}\frac{F L^3}{EI}
    ×

Und die Neigung am Ende? Für die Verdrehung φC\varphi_C ändern wir nur das 1-System: statt einer Einheitskraft setzen wir an C ein Einheitsmoment an. Das 0-System bleibt unverändert.

Teil b: Neigung φC\varphi_C

  1. Schritt 1: 1-System (Einheitsmoment an C)
    Ein Einheitsmoment am freien Ende erzeugt im ganzen Balken ein konstantes Biegemoment.
    M1(x)=1M_1(x) = 1 (konstant über die ganze Länge), also ein Rechteck-Verlauf.
  2. Schritt 2: Produkt integrieren (Dreieck mal Rechteck)
    M0M_0 ist das Dreieck mit Spitze FLFL bei A über das Feld A-B (Länge LL), M1M_1 das konstante Rechteck der Höhe 1. Dreieck mal Rechteck gibt 12pks\tfrac{1}{2} p k s:
    φC=1EI0LM0M1dx=1EI12(FL)(1)(L)=FL22EI\varphi_C = \frac{1}{EI}\int_0^{L} M_0\,M_1\,\mathrm{d}x = \frac{1}{EI}\cdot\frac{1}{2}\,(FL)(1)(L) = \frac{F L^2}{2EI}
    ×
Merke Ergebnisse
vC=56FL3EIv_C = \dfrac{5}{6}\dfrac{FL^3}{EI} (Einheitskraft), φC=FL22EI\varphi_C = \dfrac{FL^2}{2EI} (Einheitsmoment).
Querverweis Brücke
→ Koppeltafel (Section 5.2)

Aufgaben mit Musterlösungen

Aufgaben zu Kapitel 11 folgen. Bis dahin: rechne das Beispiel aus Section 5.3 mit eigenen Zahlen nach und prüfe, dass eine Verschiebung mit FL3/EIFL^3/EI und eine Verdrehung mit FL2/EIFL^2/EI skaliert.

Die Aufgaben für dieses Kapitel werden in einer zukünftigen Version ergänzt.

MerkeErst selbst rechnen, dann Lösung prüfen!