Welche eine DGL beschreibt eine Masse an einer Feder mit Reibung und externer Kraft? Genau diese 2.-Ordnungs-Bauart, mit drei physikalisch bedeutsamen Parametern. Schwingungssysteme stecken überall: in der Autofederung, im Uhrwerk, in einer Brücke unter Wind, in jedem Lautsprecher und in jedem elektrischen Schwingkreis. Die Vorlesung packt all diese Systeme in eine einzige Gleichung.
In Worten: links drei innere Kräfte (Trägheit, Reibung, Rückstellung), rechts der Antrieb von aussen. Die Bauart ist linear (jeder Term in 1. Potenz von oder einer Ableitung) mit konstanten Koeffizienten, also genau die Klasse, für die der Apparat aus VII.10 funktioniert.
Normalform. Wir teilen die ganze Gleichung durch und führen zwei Abkürzungen ein, die in der ganzen Vorlesung als Standardnotation gelten:
Warum der Faktor vor ? Im charakteristischen Polynom () entsteht , also ohne lästige Halbierungen. Am Vorzeichen der Diskriminante liest du sofort Schwingfall, kritisch oder Kriechfall ab ( bis ).
Schau auf das Newton'sche 2. Gesetz für eine Masse, an der drei Kräfte ziehen: Feder, Dämpfer, externe Anregung. Genau die DGL aus §1.1 fällt heraus. Wir leiten sie einmal sauber her, damit du jeden Buchstaben physikalisch verorten kannst.
Aufbau: eine Masse hängt an einer Feder mit Federkonstante . Parallel zur Feder bremst ein Dämpfer (ein Kolben in Öl) mit Dämpfungskonstante . Ausserdem wirkt von aussen eine zeitabhängige Kraft . Die Auslenkung misst die Abweichung der Masse von ihrer Ruhelage.
Drei Kräfte auf die Masse. Die Feder zieht zurück: (Minus weil rückstellend). Der Dämpfer bremst proportional zur Geschwindigkeit: (Minus weil reibend).
Plus die externe Kraft . Newton 2 fasst die Summe zu Masse mal Beschleunigung zusammen:
Umsortiert auf die Form mit allen Termen, die enthalten, auf der linken Seite, ergibt das wortwörtlich die Modellgleichung aus §1.1. Die Herleitung kostet drei Zeilen, der Rest dieses Kapitels lebt davon.
Was hat ein RCL-Schaltkreis mit einer Masse an einer Feder zu tun? Sie folgen genau derselben DGL, die Buchstaben heissen anders, die Mathematik ist identisch. Wir setzen den RCL-Reihenkreis kurz auf und vergleichen.
Aufbau: in Reihe geschaltet eine Spule mit Induktivität , ein Widerstand und ein Kondensator mit Kapazität . Eine Spannungsquelle treibt den Kreis von aussen. Bezeichne mit die Ladung auf dem Kondensator. Der Strom ist .
Kirchhoffs Maschenregel: die Summe der Spannungsabfälle entlang der Masche gleicht der Quellspannung. Spule: . Widerstand: . Kondensator: . Aufaddiert:
Identisch zur Mechanik. Symbol für Symbol mit §1.1: spielt , ersetzt , ersetzt , ersetzt . Beide sind strukturell dieselbe lineare DGL 2. Ordnung mit konstanten Koeffizienten.
Folge: jede Aussage für (Schwingfall, Resonanz, Q-Faktor) gilt wortgleich für , du musst nur die Buchstaben austauschen.
| Mechanisch | Elektrisch | Rolle in der DGL |
|---|---|---|
| Masse | Induktivität | Trägheit (Vorfaktor von bzw. ) |
| Dämpfung | Widerstand | Reibung (Vorfaktor von bzw. ) |
| Federkonstante | Inverse Kapazität | Rückstellung (Vorfaktor von bzw. ) |
| Kraft | Spannung | Antrieb von aussen (rechte Seite) |
Mit den Abkürzungen und steht der RCL-Kreis exakt in der Normalform . Aus VII.5 §6 kennst du schon den RC-Kreis (ohne Spule), das war eine DGL 1. Ordnung. Sobald die Spule dazukommt, springst du auf 2. Ordnung, und damit auf das ganze Spektrum aus Schwingungen, Dämpfung und Resonanz.
Normierungs-Form ohne externe Anregung. Was sagt das charakteristische Polynom über die Lösungen? Wir setzen in der Modellgleichung und studieren das Eigenverhalten des Schwingers. Sprich: einmal angestossen oder ausgelenkt, dann sich selbst überlassen.
Anwendung von VII.10: lineare DGL mit konstanten Koeffizienten, also schreibe das charakteristische Polynom ( von VII.10) auf, indem du einsetzt. Wegen und fällt heraus, übrig bleibt:
Anschauung: die Wurzeln sind die Eigenexponenten des Systems. Sie entscheiden, ob die Lösung schwingt, monoton abklingt oder explodiert. Der reale Teil sagt dir, wie schnell die Amplitude schrumpft (oder wächst). Der imaginäre Teil sagt dir die Schwingfrequenz. Das ganze Eigenverhalten steckt in diesen zwei Zahlen.
Drei Fälle, je nach Diskriminante. Schau auf das Vorzeichen von :
Fall A (, Diskriminante negativ): komplexe Wurzeln, das System schwingt. Heisst Schwingfall, §2.2.
Fall B (, Diskriminante null): doppelte reelle Wurzel, kein Schwingen, optimales Abklingen. Heisst kritischer Fall, §2.3.
Fall C (, Diskriminante positiv): zwei reelle Wurzeln, träges Kriechen ohne Schwingung. Heisst Kriechfall, §2.4.
Rechne die Klassifikation mit Zahlen durch. Masse kg, Feder N/m, Dämpfer kg/s. Daraus und . Wegen ist es Schwingfall (Fall A).
Verstärkst du den Dämpfer auf , wird (kritisch, Fall B); bei ist (Kriechfall, Fall C). So liest du aus drei Materialzahlen direkt den Schwingungstyp ab.
Wenig Reibung: das System schwingt weiter, aber die Amplitude klingt langsam ab. Wie genau? Bei ist die Diskriminante des char. Polynoms negativ. Die Wurzeln werden komplex und treten als konjugiertes Paar auf:
Rezept aus VII.10 §3.3: komplexe Wurzeln erzeugen Basislösungen und . Die allgemeine homogene Lösung ist ihre Linearkombination:
In Worten: innerhalb einer schwindenden Hüllkurve schwingt das System mit Frequenz . Ein zerfallender Hüll-Faktor mal eine schnelle Oszillation: die Amplitude schrumpft, das Vorzeichen wechselt periodisch.
Polarform. Oft praktischer ist die Darstellung mit Amplitude und Phasen-Offset :
Welche Dämpfung bringt das System am schnellsten zur Ruhe, ohne ein einziges Mal zu überschwingen? Genau die kritische Dämpfung mit , Auto-Ingenieure kalibrieren Stossdämpfer auf exakt diesen Wert. Bei verschwindet die Diskriminante, das char. Polynom hat eine doppelte reelle Nullstelle:
Rezept aus VII.10 §3.2: bei einer doppelten Nullstelle ist neben auch Basislösung (der Faktor ist die Resonanz-Korrektur, ganz analog zur Variation der Konstanten). Die allgemeine Lösung:
Anschauung: keine Oszillation, die Lösung läuft monoton in die Ruhelage. Höchstens ein einziges Mal kann sie die Nulllinie kreuzen, je nach Vorzeichen von und . Das System kommt so schnell wie möglich zur Ruhe.
Praktische Bedeutung. Auf diesen Punkt zielt man bei Stossdämpfern, Messgeräten, Tür-Schliessern: alles, was rasch ohne Nachwippen zur Ruhe soll. Weniger Dämpfung schwingt nach (Schwingfall), mehr pegelt langsamer ein (Kriechfall). Der kritische Punkt ist das Optimum.
Was passiert, wenn die Reibung so gross wird, dass das System gar nicht mehr schwingt? Es kriecht träge in die Ruhe-Lage zurück, beide Wurzeln des charakteristischen Polynoms sind reell und negativ. Bei ist die Diskriminante positiv, die Wurzel des Polynoms reell:
Rezept aus VII.10 §3.1: zwei einfache reelle Wurzeln ergeben Basislösungen und . Allgemeine Lösung:
Anschauung: die Lösung ist die Summe zweier Abklingkurven, einer schnellen (, grosses ) und einer langsamen (, kleines ).
Für grosse dominiert die langsamere, die schnelle ist längst weg. Das System schleicht zur Ruhe, höchstens mit einem Vorzeichenwechsel, nie mit echter Oszillation.
Praktisches Bild: ein Türschliesser im Winter, in dem das Öl zäher geworden ist. Du lässt die Tür los, sie schwingt nicht zurück, sondern kriecht langsam in den Rahmen. Oder eine Pendeluhr, getaucht in Sirup. Das System hat zu viel Reibung, um seinen natürlichen Rhythmus zu finden.
| Bedingung | Wurzeln | Allgemeine Lösung |
|---|---|---|
| (Schwingfall) | , komplex | |
| (kritisch) | , doppelt reell | |
| (Kriechfall) | , reell |
Jetzt mit periodischer äusserer Anregung der Frequenz . Welche partikuläre Lösung beantwortet diese Anregung? Wir setzen den Antrieb auf eine sauber sinusförmige Kraft mit konstanter Amplitude und Frequenz , und suchen das System-Verhalten:
Lösungsstruktur aus VII.9 §3: die allgemeine Lösung ist , also homogene Lösung (eine der drei Fälle aus §2) plus eine partikuläre Lösung . Die homogene Lösung kennen wir bereits. Hier suchen wir nur noch , eine einzelne, durch die Anregung erzwungene Antwort.
Eigenfrequenz und Anregungsfrequenz strikt trennen. ist eine Eigenschaft des Systems (aus und ), eine Eigenschaft der Anregung (frei wählbar, von aussen).
Beide haben Einheit 1/s und stehen in derselben Formel, haben aber physikalisch nichts miteinander zu tun, ausser im Spezialfall (Resonanz, §5).
Warum komplexe Exponentiale, wenn die DGL reell ist? Weil der Ansatz kürzer rechnet als und getrennt, und der Realteil am Schluss die reelle Lösung liefert. Das ist der Rechenweg zu der in der Vorlesung notierten stationären Form (reeller Ansatz, siehe Kasten rechts); weil die Vorlesung die Rechnung ans Skript verweist, führen wir sie hier mit dem komplexen Ansatz aus. Trick: betrachte die DGL über mit komplexer rechter Seite, und gewinne am Schluss den reellen Realteil zurück.
Komplexe Begleit-DGL. Definiere eine komplexe Funktion als Lösung von
Warum funktioniert das? Die DGL hat reelle Koeffizienten. Setzt man ein und sortiert nach Real- und Imaginärteil, lösen und jeweils einzeln die DGL mit dem entsprechenden reellen Teil der rechten Seite.
Hier ist , also löst die DGL mit Antrieb und mit . Beide Fälle in einem Streich.
Ansatz: mit unbekannter komplexer Konstante . Ableitungen: , . Einsetzen und herauskürzen:
Aus einer DGL ein Bruch. Die ursprüngliche DGL hat sich auf eine einzige algebraische Gleichung reduziert. ist eine komplexe Zahl, die in Polarform Amplitude und Phase der stationären Antwort kodiert. Genau diesen Bruch in Amplitude und Phase auseinanderzunehmen, ist die Aufgabe von §3.3.
Die partikuläre Lösung hat die Form . Wie hängen Amplitude und Phase von der Anregungsfrequenz ab? Wir schreiben die komplexe Konstante aus §3.2 in Polarform und lesen Betrag und Argument ab.
Betrag. Der Nenner hat Realteil und Imaginärteil . Sein Betrag ist die Wurzel aus der Summe der Quadrate. Da als Quotient entsteht, ist .
Phase. Das Argument einer komplexen Zahl ist (mit Quadranten-Korrektur). Da und reell ist, gilt . Wir definieren als die positive Phasenverschiebung der Antwort gegenüber der Anregung:
Zusammensetzen. Mit wird . Realteil:
Physikalisch: das System antwortet immer mit der Anregungsfrequenz , nicht mit seiner eigenen, phasenverschoben (es hinkt hinterher) und in der Amplitude umskaliert. Bei niedriger Anregung fast in Phase, bei hoher zunehmend hinterher, bei genau um eine Viertelperiode.
Warum verschwindet die homogene Lösung mit der Zeit, während die partikuläre Lösung bestehen bleibt? Bei jeder Dämpfung klingt exponentiell ab, übrig bleibt die reine partikuläre Antwort. Die volle Lösung ist , und wir studieren das Langzeit-Verhalten.
Homogener Anteil : in allen drei Fällen aus §2 (Schwingfall, kritisch, Kriechfall) tragen die Basislösungen einen Faktor (oder zwei verschieden schnelle Abklingfaktoren mit ). Folge: für und gilt , exponentiell schnell.
Partikulärer Anteil : die in §3.3 gefundene Funktion schwingt mit konstanter Amplitude unbeschränkt weiter. Sie klingt nicht ab, weil sie ständig von der Anregung gespeist wird.
Konsequenz für die Praxis: Anfangsbedingungen sind nach hinreichend langer Zeit irrelevant. Egal mit welcher Auslenkung oder Geschwindigkeit du startest, nach kurzer Wartezeit hat das System seine Vergangenheit vergessen und schwingt nur noch nach Anregung.
Diese Wartezeit heisst Einschwingvorgang, die danach erreichte Schwingung stationärer Zustand (§4.2).
Was siehst du, wenn du das System lange genug laufen lässt? Eine reine Oszillation mit der Anregungsfrequenz , fester Amplitude und fester Phase. Genau diesen Zustand nennt man stationär. Wir definieren ihn präzise und sammeln seine Eigenschaften.
Drei Eigenschaften des stationären Zustands:
1. Frequenz: immer (Anregung), nie oder (System). Die Anregung diktiert das Tempo.
2. Amplitude : hängt vom Verhältnis und der Dämpfung ab. Maximal bei der Resonanzfrequenz (§5.1).
3. Phase : Antwort hinkt der Anregung hinterher. Bei niedriger Anregung kaum, bei exakt eine Viertelperiode, bei sehr hoher Anregung fast eine halbe Periode.
Wichtig: stationär heisst nicht zeitlich konstant. Stationär heisst, dass die Antwort eine wohldefinierte Bauart hat (Sinusschwingung mit festen ), die sich nicht mehr ändert. Die Funktion schwingt natürlich weiter, aber ihr Charakter ist stabil. In statistischer Sprache: stationär im Sinn der Verteilungs-Eigenschaften, nicht im Sinn von zeit-konstant.
Bei welcher Anregungsfrequenz wird die stationäre Amplitude maximal? Genau dort liegt die Resonanz. Wir suchen das Maximum der Funktion aus §3.3.
Ableitung gleich null setzen. wird gross, wenn der Nenner klein wird.
Statt direkt zu differenzieren, leite den Nenner ab (Wurzel und Konstante stören die Extremstelle nicht) und setze null:
Auflösen. ausklammern und durch teilen (für ): , also .
Existenz-Bedingung. Die Wurzel ist nur reell für , also . Bei stärkerer Dämpfung verschwindet das Maximum (zu träg für einen Peak), und fällt monoton mit .
Spezialfall schwache Dämpfung. Für gilt . Im schwach gedämpften Limit liegt die Resonanz fast bei der Eigenfrequenz. Erst bei merklicher Dämpfung verschiebt sie sich nach unten.
Maximale Amplitude. Setze in ein und vereinfache:
Was passiert mit der Amplitude, wenn die Dämpfung auf null geht und die Anregung genau auf trifft? Wir untersuchen den Grenzfall und und entdecken die Resonanz-Katastrophe.
Amplitude bei Resonanz. Im Limit wird , und die Maximalamplitude aus §5.1 vereinfacht sich. Setze in ein:
Resonanz-Katastrophe. Für divergiert : ein ungedämpfter Schwinger, mit seiner Eigenfrequenz angeregt, baut beliebig grosse Amplituden auf. Mathematisch kein endlicher Grenzwert, physikalisch gibt das Material irgendwann nach (Verformung, Bruch).
Reale Systeme. Echte Systeme haben immer eine kleine Dämpfung, also keine echte Singularität. Aber sie können trotzdem riesige Amplituden erreichen, weit über das normale Betriebsmass hinaus. Genau deshalb ist Resonanz die ingenieurstechnische Feindzahl Nummer eins.
Berühmte Beispiele.
Tacoma-Narrows-Brücke (1940): aerodynamische Schwingung, ausgelöst durch Wirbelablösungen im Wind, traf die Torsions-Eigenfrequenz der Brücke. Innerhalb von Stunden Aufschaukelung bis zum Einsturz. Klassischer Lehrbuch-Fall.
Singende Weingläser, zerspringendes Glas: Ton trifft die Eigenfrequenz des Glases, Resonanz bringt es zum Schwingen, irgendwann übersteigt die Materialspannung die Bruchgrenze.
Mikrofon-Rückkopplung: Lautsprecher-Signal trifft Mikrofon, wird verstärkt, geht wieder in den Lautsprecher, baut sich exponentiell auf. Das durchdringende Pfeifen ist Resonanz im akustischen Verstärkungskreis.
Ingenieurs-Konsequenz. Bei jeder Maschine, Brücke, jedem Gebäude muss man die Eigenfrequenzen kennen und sicherstellen, dass keine Betriebsfrequenz in ihre Nähe gerät. Sonst Materialermüdung, im Extremfall katastrophales Versagen. Standard-Werkzeug: Modalanalyse, Frequenzgang-Messung, gezielte Dämpfungs-Erhöhung.
Wie breit ist die Resonanz eigentlich, und was bedeutet das physikalisch? Der Q-Faktor misst genau das, eine dimensionslose Kennzahl, die jeden Resonator in einer einzigen Zahl charakterisiert.
Anschaulich: ist die Anzahl Schwingungen, die das System nach einem einzelnen Anstoss in etwa noch macht, bis seine Amplitude auf (etwa 4%) gefallen ist. Hohes heisst: das System klingt langsam aus, hat eine ausgeprägte Eigenfrequenz, antwortet selektiv. Niedriges heisst: das System klingt schnell ab, antwortet auf einen breiten Frequenzbereich.
Halbwertsbreite. Eine andere Lesart von : wie breit ist der Resonanz-Peak von ? Misst man die Breite bei halber maximaler Leistung (also -Peak halbiert), gilt für :
Praktische Q-Werte:
Quarz-Resonator (in jeder Armbanduhr): . Extrem scharfe Resonanz, deshalb extrem genaue Frequenz, deshalb genaue Zeit.
Klavier-Saite: . Ton klingt langsam aus, eindeutiger Pitch.
Auto-Stossdämpfer: . Bewusst flach gehalten, damit das Auto nicht in irgendwelchen Frequenzen klingelt.
Mensch-Stimmbänder: im einstelligen Bereich, je nach Vokal und Tonhöhe.
Was machen wir, wenn das System nicht-linear ist, etwa statt enthält? Wir linearisieren um den Gleichgewichtspunkt.
Damit fällt der nicht-lineare Schwinger in die Klasse zurück, die wir in §1 bis §5 vollständig gelöst haben.
Aufgabenstellung. Betrachte einen allgemeinen 1D-Schwinger der Bauart , mit einer beliebigen Funktion (nicht notwendigerweise linear). Eine Gleichgewichts-Lage ist ein Punkt, an dem keine Kraft wirkt, also . Dort kann das System ruhig stehen bleiben.
Trick: Taylorentwicklung um . Bei kleinen Auslenkungen (mit klein) entwickeln wir in eine Taylor-Reihe und behalten nur den linearen Term:
Einsetzen. Mit (Konstante verschwindet beim Ableiten) wird die DGL zu . Vernachlässige die quadratischen Terme:
Zwei Fälle, je nach Vorzeichen von . : stabiles Gleichgewicht, kleine Auslenkungen geben harmonische Oszillation mit , genau das System aus §2.
: instabiles Gleichgewicht, die Lösung wächst exponentiell, jede Auslenkung entfernt das System weiter. Ein Bleistift auf der Spitze.
Mit Dämpfung und Anregung. Hat das ursprüngliche System auch einen Reibungsterm und eine äussere Kraft , dann steht in der linearisierten Form genau dieselbe Bauart wie die Modellgleichung §1.1: . Der ganze Apparat aus §2 bis §5 ist anwendbar.
Wie wird aus dem nicht-linearen Pendel die harmonische Schwingung aus §2? Durch Linearisierung, bei kleinen Winkeln, und der Rest ist VII.10-Apparat. Aus wird damit eine lineare DGL 2. Ordnung mit konstanten Koeffizienten.
Aufbau. Eine Punktmasse hängt an einem masselosen, starren Stab der Länge . Der Auslenkungswinkel misst die Abweichung aus der Senkrechten. Die einzige rückstellende Kraft ist die Komponente der Schwerkraft entlang des Bogens, . Newton 2 entlang des Bogens (mit Bogenlänge ) gibt , also:
Linearisierung um . Setze . Ableitung: . Am Gleichgewicht : . Die linearisierte DGL ist also:
Anschaulich: für kleine Auslenkungen ist , und das nicht-lineare Pendel wird zur reinen harmonischen Schwingung. Die Periode hängt nur von Pendellänge und Schwere ab, nicht von der Amplitude. Diese Isochronie beobachtete Galileo, allerdings nur näherungsweise im Kleinwinkel-Limit.
Gültigkeit. Die Näherung ist gut, solange rad (etwa 12°). Bei grösseren Auslenkungen wird die echte -Korrektur spürbar, und die Periode hängt schwach von der Amplitude ab (man sagt: das nicht-lineare Pendel ist nicht isochron). In Klausuren reicht meistens die Kleinwinkel-Form, ausser es ist ausdrücklich der nicht-lineare Fall gefragt.
Dämpfung und Anregung dazu. Hat das Pendel auch eine Reibung im Lager und wird periodisch angetrieben (z.B. ein Hand-Stoss), kommt die volle Schwingungs-DGL aus §1 in heraus: . Alle Aussagen über Schwingfall, Resonanz, Q-Faktor übertragen sich auf das Pendel ohne Anpassungen.
Übungsaufgaben werden in Kürze ergänzt.
Die Aufgaben für dieses Kapitel werden in einer zukünftigen Version ergänzt.