Bevor wir Flächen integrieren, klären wir die Symbole. Dieses Kapitel und die folgenden in VI.4 bis VI.10 nutzen eine ganze Familie infinitesimaler Elemente (, , , ), eine Vektor-Variante davon (, ), und das überladene Symbol in zwei verschiedenen Rollen. Wer den Symbol-Salat einmal sortiert hat, liest die Sätze in VI.5 bis VI.10 ohne Mühe.
Differential-Elemente. ist das Bogenlängen-Element einer Kurve (1D). ist das Flächen-Element in der Ebene (2D in ). ist das Flächen-Element einer Fläche im Raum (2D in ); manche Texte schreiben dafür . ist das Volumen-Element im Raum (3D). Faustregel: der Buchstabe sagt die Dimension; das vorangestellte heisst infinitesimal klein.
Skalar gegenüber Vektor. ist ein Skalar (positiver Flächeninhalt eines kleinen Patches). Der orientierte Flächenelement-Vektor trägt zusätzlich die Richtung des Normaleneinheitsvektors. Analog: ist die skalare Bogenlänge, das orientierte Linienelement entlang einer Kurve. Bei reinen Flächeninhalts-Berechnungen (Section 4) brauchen wir . Bei Fluss-Integralen ab VI.4 brauchen wir .
Rand-Symbol . ist der Rand der Region . Bei einem 3D-Volumen ist die geschlossene 2D-Oberfläche; bei einer 2D-Region in der Ebene ist der geschlossene Randkurven-Pfad. Achtung: dasselbe -Symbol bezeichnet auch die partielle Ableitung . Welche Bedeutung gemeint ist, sagt der Kontext: vor einer Region (Index am Integralzeichen) heisst Rand; vor einer Funktion (mit Variablen-Bruch) heisst Ableitung.
Integralzeichen. steht über einer Kurve, über einer Fläche, über einem Volumen. Geschlossene Linie: . Geschlossene Fläche: . Beispiel: ist die Zirkulation um eine geschlossene Kurve ; ist der Gesamtfluss durch die geschlossene Randfläche eines Volumens.
| Symbol | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Bogenlängen-Element (1D Kurve) | Länge | |
| orientiertes Linienelement | Zirkulation | |
| Flächen-Element in der Ebene (2D) | Polar: | |
| Flächen-Element einer Fläche im Raum (2D) | Kugel: | |
| orientiertes Flächen-Element | Fluss (siehe VI.4) | |
| Volumen-Element (3D) | Kugel: | |
| Rand der Region (geschlossene Fläche bei 3D-) | Gauss: | |
| Rand der Fläche (geschlossene Kurve) | Stokes: | |
| Linienintegral über geschlossene Kurve | Zirkulation um geschlossene Schleife | |
| Oberflächenintegral über geschlossene Fläche | Gesamtfluss durch geschlossene Hülle |
Multiparametrige Funktionen verallgemeinern den Funktionsbegriff aus Analysis I. In der Vektoranalysis treten dabei wenige Spezialfälle besonders häufig auf: Skalarfelder ( oder , ), Vektorfelder (), Raumkurven (, ). Kapitel VI.3 widmet sich dem Spezialfall , . Eine Fläche im Raum ist nichts anderes als das Bild einer geeigneten Funktion .
Die partielle Ableitung misst die Änderungsrate der -ten Komponente bei einer Variation der -ten Eingangsvariablen , während alle übrigen Variablen festgehalten bleiben. Sie ist die mehrdimensionale Verallgemeinerung der gewöhnlichen Ableitung: ein Schnappschuss, in welche Richtung die Funktion lokal in Koordinatenrichtung läuft.
Ordnet man alle partiellen Ableitungen erster Ordnung in einer Matrix an, erhält man die Jacobi-Matrix . Im Fall ist die Jacobi-Determinante ein lokaler Volumenfaktor: ein winziges -dimensionales Volumenelement im Definitionsbereich wird durch auf ein Volumenelement der Grösse im Bildbereich abgebildet. Genau dieser Faktor erscheint in der Substitutionsregel und wird uns in Section 4.3 wieder begegnen, wenn wir von der 2D-Substitution zum Oberflächenelement im 3D-Raum übergehen.
Aus der Substitutionsregel folgen die Standard-Volumen- und Flächenelemente in den gängigen Koordinatensystemen. Diese Identitäten brauchen wir praktisch in jeder Aufgabe; sie sind Auswendig-Material und sollten nicht jedesmal neu hergeleitet werden. Die Tabelle unten fasst die wichtigsten Fälle zusammen. Insbesondere in Polarkoordinaten und in Kugelkoordinaten kommen ständig vor; aus letzterem folgt durch Festhalten von direkt das Flächenelement der Kugeloberfläche , das in Section 4.5 für die Berechnung von gebraucht wird.
| Koordinaten | Substitution | Element |
|---|---|---|
| 2D Kartesisch | ||
| 2D Polar | ||
| 3D Kartesisch | ||
| 3D Zylinder | ||
| 3D Kugel | ||
| Kugeloberfläche | wie 3D-Kugel, fest | |
| Zylindermantel | wie 3D-Zylinder, fest |
Polar-Flächenelement
Eine Fläche im Raum ist anschaulich ein zweidimensionales Gebilde, das sich in den einbettet. Formal: lokal homöomorph zu einer offenen Menge im , sodass jedes Flächenstück ein "flach gemachtes" Bild eines ebenen Gebiets ist. Drei Darstellungsformen sind in Vorlesung und Prüfung gebräuchlich, jede mit eigenen Stärken.
Parameterdarstellung. Eine Funktion bildet einen 2D-Parameterbereich direkt auf die Fläche ab. Vorteil: konstruktiv und damit ideal für Animationen, Integrationen, Riemann-Summen. Nachteil: dieselbe Fläche hat unendlich viele Parametrisierungen, was Eindeutigkeitsfragen aufwirft (Section 4.3 zeigt allerdings, dass der Oberflächeninhalt von der Wahl unabhängig ist).
Implizite Darstellung. Eine Fläche kann als Niveaumenge einer Funktion geschrieben werden. Vorteil: Punkt-auf-Fläche-Tests sind trivial ( einsetzen), und der Gradient liefert sofort einen Normalenvektor. Brücke zu VI.1: Niveauflächen waren bereits bei der geometrischen Lesart des Gradienten zentral.
Explizite Darstellung. Spezialfall der Parameterdarstellung mit , und . Die Fläche ist also der Graph einer skalaren Funktion . Funktioniert nur, wenn die Fläche gegenüber der xy-Ebene als Funktion aufgelöst werden kann; die Kugel etwa lässt sich so nur in zwei Halbkugel-Stücken abdecken.
Sei ein Punkt mit Ortsvektor , und seien zwei linear unabhängige Vektoren. Die durch aufgespannte Ebene mit Spannvektoren besitzt elegante Darstellungen in allen drei Formen.
Die Kugeloberfläche mit Mittelpunkt im Ursprung und Radius ist die Standardfläche schlechthin. Wir leiten alle drei Darstellungen her und sehen unterwegs, warum die Kugel nicht durch eine einzige globale Höhenfunktion beschrieben werden kann.
Parameterbereich und Kugel-Projektion
Zwei weitere Standardflächen mit jeweils sehr natürlicher Parameterform, aber sperriger impliziter Darstellung. Die Kegelfläche mit Spitze im Ursprung, Rotationsachse z-Achse und halbem Öffnungswinkel , sowie die Schraubenfläche (Helikoid) mit Steigung .
Kegel und Helikoid in axonometrischer Projektion
Bei einer Parametrisierung einer Fläche definieren wir zwei natürliche Kurvenscharen. Die v-Linie entsteht durch Festhalten von und Variieren von ; sie ist die Raumkurve . Analog ist die u-Linie die Raumkurve bei festem . Diese Linien stehen für ein einfaches geometrisches Bild: ein rechteckiges Gitter im Parameterbereich wird durch auf ein Netz auf der Fläche abgebildet, und die Maschen dieses Netzes sind die natürlichen "Pixel" der Parametrisierung.
Beispiel Kugel. Bei der Standardparametrisierung in Kugelkoordinaten sind die u-Linien (festes ) genau die Breitenkreise (Parallelen) auf der Kugel; die v-Linien (festes ) sind die Längenkreise (Meridiane) von Pol zu Pol. An den Polen und entartet die u-Linie zu einem Punkt: alle Werte von liefern denselben Punkt. Das ist eine Stelle, an der die Parametrisierung nicht regulär ist (Section 2.3).
Beispiel Schraubenfläche. Bei sind die u-Linien (festes ) Schraubenkurven mit Radius und Steigung ; die v-Linien (festes ) sind radiale Strecken in einer Halbebene durch die z-Achse. Das Gitter aus diesen Linien zeigt die schraubenförmige Geometrie unmittelbar.
Parametergitter und Bild auf der Fläche
Die partiellen Ableitungen und sind genau die Geschwindigkeitsvektoren beim Durchlaufen der u- bzw. v-Linie. Damit liegen sie tangential zur Fläche im Punkt . Sie sind die mehrdimensionale Verallgemeinerung der Tangente an eine Kurve und werden im Folgenden die zentrale Rolle spielen.
Berechnet werden und komponentenweise: jede der drei Koordinatenfunktionen , , wird einmal partiell nach bzw. abgeleitet. Anschliessend lassen sich beide Vektoren als Spalten der Jacobi-Matrix identifizieren, was die Brücke zur allgemeinen Theorie aus Section 1.1 schliesst.
Beispiel Kugel. Mit erhält man durch komponentenweises Ableiten zwei klar interpretierbare Tangentialvektoren: zeigt entlang des Breitenkreises (in Längenrichtung), entlang des Meridians (in Polrichtung). Diese Vektoren bereiten die Oberflächenintegrationsrechnung in Section 4.4 vor.
Die Tangentialebene an die Fläche in einem Punkt ist die affine Ebene, die von den Tangentialvektoren und aufgespannt wird, mit Aufhängepunkt . Sie ist die beste lineare Approximation der Fläche bei und das mehrdimensionale Pendant zur Tangente an eine Kurve. Lokal kann man die Fläche durch die Tangentialebene ersetzen, ohne die Geometrie erster Ordnung zu verlieren.
Damit die Tangentialebene überhaupt wohldefiniert ist, müssen und linear unabhängig sein; sonst spannen sie nur eine Gerade oder nichts. Genau das fordert die reguläre Parametrisierung: überall in . Punkte, an denen das versagt, heissen singulär. Standardbeispiele sind die Pole der Kugel-Standardparametrisierung (dort entartet die u-Linie zu einem Punkt) und die Spitze des Kegels (alle Mantellinien laufen zusammen).
Brücke zur impliziten Form. Wird die Fläche als Niveaumenge einer differenzierbaren Funktion beschrieben, so ist der Gradient überall ein Normalenvektor. Das implizite Funktionentheorem garantiert: an Stellen mit kann man lokal als Graphen einer Funktion schreiben (oder bzw. als abhängige Variable, je nachdem, welche Komponente von nicht verschwindet).
Konsequenz: ist die Niveaufläche an einem Punkt regulär (), kann man sie dort auch parametrisieren, und die so gewonnene lokale Parametrisierung ist regulär (). Die drei Begriffe regulär parametrisiert, regulär implizit, regulär explizit decken sich also an glatten Punkten.
Tangentialvektoren und Tangentialebenen-Patch
Aus einer differenzierbaren Raumkurve mit Parametrisierung konstruieren wir eine Fläche, indem wir an jeden Kurvenpunkt die Tangente anhängen und den Tangentenparameter frei laufen lassen. So entsteht eine zweidimensionale Fläche im Raum, die die Kurve enthält und überall die Geschwindigkeitsrichtung der Kurve fortsetzt. Diese Konstruktion heisst Tangentenfläche der Raumkurve.
Formal lautet die Definition . Die Bedeutung der Parameterlinien ist anschaulich: bei läuft die u-Linie genau die Ausgangskurve ab, weil . Bei festem ist die v-Linie die Tangente an die Kurve im Punkt . Die ganze Tangentenfläche besteht also aus allen Tangenten an , ausgespannt zu einer Fläche.
Anwendung in der Mechanik. Ist die Bahn eines Teilchens und die Zeit, so ist die Tangentenfläche der "kinematisch erreichbare" Raum unter Annahme der momentanen Geschwindigkeit. Anwendung in der Differentialgeometrie. Tangentenflächen sind ein Standardbeispiel für abwickelbare Flächen, also Flächen mit verschwindender Gauss-Krümmung; sie lassen sich ohne Verzerrung in die Ebene ausrollen.
Wir wenden die Tangentenflächen-Konstruktion aus Section 2.4 auf die Schraubenlinie an. Die ersten beiden Ableitungen nehmen wir gleich mit, weil sie in Section 3.4 für den NEV gebraucht werden.
Tangenten an die Schraubenlinie
Für die Berechnung von Oberflächenintegralen, insbesondere des Flusses eines Vektorfelds durch eine Fläche, brauchen wir an jeder Stelle der Fläche einen ausgezeichneten Vektor, der senkrecht auf der Fläche steht und Einheitslänge hat: den Normaleneinheitsvektor (NEV). Die Tangentialvektoren liefern uns die Tangentialebene; das Kreuzprodukt steht algebraisch senkrecht auf beiden Vektoren und damit auf der ganzen Tangentialebene.
Normalisieren liefert Einheitslänge: . Das Vorzeichen bleibt frei, weil eine Fläche im Raum zwei Seiten hat und die Mathematik ohne weitere Information nicht weiss, welche gemeint ist. Die Anwendung (Flussrichtung, Aussennormale, Stokes-Konvention) wählt das Vorzeichen.
Charakterisierung der Tangentialebene. Der NEV ist (bis aufs Vorzeichen) der eindeutige Einheitsvektor, der senkrecht auf steht. Diese koordinatenfreie Lesart macht klar: hängt nur von der Fläche am Punkt ab, nicht von der speziell gewählten Parametrisierung (siehe Section 3.2 für den Beweis).
2D-Vorbild des NEV: Gradient steht senkrecht auf der Niveaulinie
Eindeutigkeit bis aufs Vorzeichen. Bei einer fixen regulären Parametrisierung ist der NEV bis auf das Vorzeichen eindeutig. Das Vorzeichen ist nicht durch die Mathematik festgelegt, sondern durch die Anwendung: Aussennormale bei geschlossenen Flächen, Konvention zum Rand bei berandeten Flächen, Rechte-Hand-Regel bei Stokes.
Parametrisierungsunabhängigkeit. Wechselt man die Parametrisierung über einen Diffeomorphismus , , ändert sich das Kreuzprodukt der Tangentialvektoren um den Faktor . Beim Normalisieren kürzt sich der Betrag , übrig bleibt nur das Vorzeichen . Richtung und Betrag von bleiben damit erhalten; bei Reparametrisierung mit kippt nur das Vorzeichen.
Vorzeichenwahl in Anwendungen. Bei geschlossenen Flächen (Kugel, Torus) wählt man üblicherweise die Aussennormale. Bei berandeten Flächen wählt man die Seite, in deren Richtung der Fluss berechnet werden soll. Beim Satz von Stokes muss der NEV zur Orientierung des Randes passen: läuft der Rand im Gegenuhrzeigersinn (bei Blick von der NEV-Seite), gehört dazu der ausgewählte (Rechte-Hand-Regel).
Wir berechnen den NEV der Tangentenfläche aus Section 2.4 für eine beliebige Raumkurve . Das Resultat ist auffällig kompakt und hängt nicht von ab.
Wir wenden die allgemeine Tangentenflächen-Formel aus Section 3.3 auf die konkrete Schraubenlinie aus Section 2.5 an.
Eine Fläche heisst Böschungsfläche, wenn die z-Komponente ihres Normaleneinheitsvektors überall konstant ist. Anschaulich entspricht das einem Hang oder einer Böschung mit überall gleicher Neigung gegen die Horizontale: ein gerader Erdwall an einer Strasse, eine Skipiste mit konstantem Gefälle, oder eben die Tangentenfläche einer Schraubenlinie aus Section 3.4.
Triviale Beispiele sind Ebenen mit (der NEV ist konstant, also ist auch seine z-Komponente konstant). Nicht-trivial wird es bei Tangentenflächen zu Kurven mit konstanter Steigung: jede solche Tangentenfläche ist Böschungsfläche, was die enge Verbindung zur abwickelbaren Geometrie aus Section 2.4 sichtbar macht.
Bei der Berechnung der Bogenlänge einer Kurve auf der Fläche tauchen drei zentrale Skalarprodukte der Tangentialvektoren auf: , und . Diese drei skalaren Funktionen heissen die ersten Fundamentalkoeffizienten; zusammen tragen sie den Namen erste Fundamentalform der Fläche.
Für eine differenzierbare Kurve auf der Fläche liefert die Kettenregel den Geschwindigkeitsvektor . Die quadrierte Geschwindigkeit, also das Bogenlängen-Element, hat dann die Form . Damit lassen sich Kurvenlängen, Winkel zwischen Kurven und (in Section 4.2) Flächeninhalte berechnen, ohne dass die ambiente Raumstruktur explizit gebraucht wird.
Bedeutung in der Differentialgeometrie. Die ersten Fundamentalkoeffizienten definieren die Riemannsche Metrik auf der Fläche. Es ist ein bemerkenswerter Satz von Gauss (Theorema Egregium), dass die Krümmung einer Fläche allein aus und ihren Ableitungen berechnet werden kann, also intrinsisch ohne Bezug zur Einbettung in den . Für unsere Zwecke (Oberflächenintegrale) reicht die spezielle Kombination , die in Section 4.2 zentral wird.
Wir leiten den infinitesimalen Flächeninhalt eines kleinen Stücks der Fläche geometrisch her. Ein winziges Stück um wird durch das Parallelogramm aufgespannt von den Vektoren und approximiert. Der Flächeninhalt eines solchen Parallelogramms ist die Norm des Kreuzprodukts seiner Spannvektoren, also .
Die Lagrange-Identität verbindet das Kreuzprodukt mit den Skalarprodukten und damit mit den ersten Fundamentalkoeffizienten: . Diese Grösse ist die Gram-Determinante; sie ist genau die Determinante der Gram-Matrix aus Section 4.1.
Konsequenz: das Oberflächenelement lässt sich auf zwei äquivalente Arten schreiben, . Die zweite Form ist für die Berechnung oft praktisch, weil Skalarprodukte einfacher als Kreuzprodukte zu berechnen sind. Bei rotationssymmetrischen oder achsenparallelen Parametrisierungen ist häufig (orthogonale Parametrisierung), und das Oberflächenelement vereinfacht sich zu .
Karte aus Parameterrechteck und Bild-Parallelogramm
Der Oberflächeninhalt einer Fläche mit regulärer Parametrisierung ist das Integral des Oberflächenelements über den Parameterbereich. Die formale Definition lautet . Alle Beispiele und konkreten Rechnungen in den Sections 4.4 bis 4.6 fliessen aus dieser einen Formel.
Parametrisierungsinvarianz (Beweis-Skizze). Wechseln wir die Parametrisierung von zu über einen Diffeomorphismus , . Die Kettenregel liefert . Die mehrdimensionale Substitutionsregel sagt . Beim Einsetzen in das Integral kürzen sich die Beträge und heraus, und die Integration über liefert dasselbe Resultat wie die Integration über .
Konsequenz. Der Oberflächeninhalt ist eine Eigenschaft der Fläche selbst, unabhängig von der Wahl der Parametrisierung. Das ist die direkte Verallgemeinerung der Substitutionsregel aus Analysis I/II auf den Fall . Die Rolle der Jacobi-Determinante übernimmt , weil die Jacobi-Matrix nicht quadratisch ist (vgl. Section 1.1).
Aus dem Hauptsatz folgen die wichtigsten Spezialfälle. Diese vier Standard-Flächenelemente decken den überwiegenden Teil aller Aufgaben ab und sind Auswendig-Material. Die Herleitung ist immer dieselbe Drei-Schritt-Rechnung: Tangentialvektoren aus der Parametrisierung ableiten, Kreuzprodukt bilden, Norm ausrechnen.
Kugel mit Radius in der Standardparametrisierung über Kugelkoordinaten (siehe Section 1.4). Die Rechnung in Section 4.5 zeigt . Damit . Konsistent mit der Standard-Elemente-Tabelle aus Section 1.1, wenn man mit dem Polarwinkel identifiziert.
Zylindermantel mit Radius parametrisiert durch liefert , und nach komponentenweiser Rechnung . Damit .
Graph einer Funktion parametrisiert durch liefert , und . Die Norm ist , also .
Rotationsfläche um die z-Achse mit Profilkurve , parametrisiert durch , liefert nach analoger Rechnung . Damit .
Wir berechnen den Oberflächeninhalt einer Kugel mit Radius über die Standardparametrisierung in Kugelkoordinaten aus Section 1.4 ( Azimut, Polarwinkel). Die Rechnung läuft in fünf Schritten: Parametrisierung wählen, Tangentialvektoren ableiten, Norm des Kreuzprodukts, Doppelintegral aufstellen, auswerten.
Aufgabe: bestimme den Oberflächeninhalt des Ausschnitts der oberen Einheitshalbkugel (, ), der über dem Bereich in der xy-Ebene liegt. ist berandet durch die Polarkurve (mit ) und die positive x-Achse.
Polarbereich
Aufgabe: bestimme den Oberflächeninhalt der Tangentenfläche zur Schraubenlinie aus Section 2.5 auf dem Bereich , . Anschaulich beschreibt der Bereich einen Sektor im ersten Oktanten, das u-Intervall ist eine Vierteldrehung der Helix, das v-Intervall ist ein Dreieck unterhalb der Diagonalen.
Übungsaufgaben werden in Kürze ergänzt.
Die Aufgaben für dieses Kapitel werden in einer zukünftigen Version ergänzt.