“Wer die Geheimnisse des Universums verstehen will, denkt in Energie, Frequenz und Schwingung.”
— Nikola Tesla
1Merkmale des elektrischen Stroms
1.1 Was ist elektrischer Strom?
Stell dir einen dünnen Kupferdraht vor, durch den eine Batterie Strom treibt. Was bewegt sich da eigentlich, und in welche Richtung? Bevor wir irgendetwas ausrechnen, lohnt der Blick auf drei Wirkungen, an denen man jeden elektrischen Strom erkennt:
i) magnetische Wirkung: zwei gleichgesinnte Leiter ziehen sich an, gegengesinnte stossen sich ab. Ohne diese Wirkung gäbe es keinen Elektromotor.
ii) thermische Wirkung: der Leiter erwärmt sich (Joule-Erwärmung). Genau das macht ein Bügeleisen oder einen Glühfaden heiss.
iii) chemische Wirkung: in Lösungen wandern Ionen und übertragen die Ladung (Elektrolyse). Grundlage für Akkus und Galvanik.
Wie misst man nun, wie viel Strom fliesst? Man zählt die Ladung, die pro Sekunde durch einen Querschnitt strömt. Genau das ist die Definition der Stromstärke:
!!!
Definition des Stroms
I=dtdQ
[Q]=C=A⋅s (Coulomb). [I]=A=C/s (Ampere).
In Worten: Strom ist Ladung pro Zeit. 1A entspricht etwa 6.24×1018 Elementarladungen, die pro Sekunde durch einen Querschnitt strömen. Eine ganze Menge.
Konvention. Per historischer Festlegung (lange vor der Entdeckung des Elektrons) zeigt I in die Richtung, in die positive Ladungsträger fliessen würden. In Metallen sind die beweglichen Träger aber Elektronen, also negativ. Folge: Elektronen bewegen sich physikalisch in die Gegenrichtung von I. Diese Konvention ist heute Standard, also lebst du mit dem Vorzeichen-Flip im Hinterkopf.
Im Draht unten siehst du genau diese zwei Richtungen: die positiven Träger laufen als rote +-Kugeln von + nach −, die Elektronen als blaue −-Kugeln in die Gegenrichtung. Der Speed-Schieber regelt nur das Tempo, der Schieber Ladung q vergrössert die Träger. Achte auf die gestrichelte Querschnittslinie in der Mitte: dort misst man, wie viel Ladung pro Sekunde durchkommt, also den Strom I.
Beschreibung
I=dtdQ: Strom ist die Ladung pro Zeit durch einen Querschnitt. Einheiten: [Q]=C=A⋅s (Coulomb), [I]=A=C/s (Ampere). Konvention: Stromrichtung folgt den positiven Ladungsträgern (+→−); Elektronen wandern entgegengesetzt (−→+).
1.0
1.0
Abb. 1: Merkmale des elektrischen Stroms
DefinitionStrom I
Ladung pro Zeit durch einen Querschnitt: I=dQ/dt. Skalar. Einheit Ampere (A).
MerkeKonvention +→− I zeigt mit den positiven Trägern. In Metallen sind die beweglichen Träger Elektronen, sie wandern physikalisch in −→+ Richtung.
Wenn derselbe Strom I durch einen dicken und einen dünnen Draht fliesst: wo drängeln sich die Ladungen mehr? Die Stromstärke I allein verrät das nicht, denn sie zählt nur die Gesamtladung pro Sekunde. Was fehlt, ist eine lokale Grösse, die sagt, wie viel Strom durch jedes einzelne Stückchen Querschnitt geht. Das ist die Stromdichte.
!!!
Stromdichte
jI=AI=∫AjdA(homogen)(allgemein)
[j]=A/m2. j ist die lokale Stromdichte (an jedem Punkt im Leiter), I der globale Strom durch den ganzen Querschnitt A.
In Worten:j ist eine punktweise Grösse, I eine Gesamtgrösse. Bei homogener Stromdichte reduziert sich das Integral zu I=j⋅A, sonst musst du über die Fläche aufsummieren. Dasselbe Pattern wie der Fluss eines Vektorfelds in der Vektoranalysis.
Die beiden Drähte unten führen denselben Strom I (Schieber), aber der untere ist viermal dünner. Beobachte: im dünnen Draht drängeln sich die Träger und fliessen sichtbar schneller, weil j=I/A dort viermal grösser ist. Die genauen j-Werte für beide Drähte stehen im Readout-Streifen unter der Leinwand.
Beschreibung
Zwei Drähte mit unterschiedlichem Querschnitt, gleicher Gesamtstrom I. Im dünnen Draht ist die Stromdichte j höher, also bewegen sich die Elektronen schneller. Slider Speed reguliert die Animation, I verändert die Ladungsdichte beider Drähte.
I2.0 A
j (dick)0.50 A/A₀
j (dünn)2.00 A/A₀
2.0
1.0
Abb. 2: Stromdichte j=I/A
DefinitionStromdichte j
Lokale Grösse, Strom pro Fläche: j=I/A (homogen). Einheit A/m2.
FormelStromdichte (homogen)
j=AI
Lokale Grösse, Strom pro Fläche.
PrüfungstippQuerschnitt umrechnen
Drahtdurchmesser oft in mm angegeben. 1mm2=10−6m2. Sonst sind alle Folgerechnungen um 6 Grössenordnungen daneben.
1.3 Ladung ist quantisiert
Kann man beliebig wenig Ladung haben, so wie man beliebig wenig Wasser abmessen kann? Nein. Ladung kommt in festen Päckchen. Das kleinste Päckchen ist die Elementarladunge; jede Ladung, die man je gemessen hat, ist ein ganzzahliges Vielfaches davon.
!!
Definition der Ladung
Q=∫Idt=Ne
e=1.602⋅10−19C (Elementarladung). Ein Elektron trägt −1e, ein Proton +1e. Ladung ist quantisiert: jede beobachtete Ladung ist ein ganzzahliges Vielfaches von e.
In Worten: Integrierst du den Strom über die Zeit, bekommst du die durchgeflossene Ladung Q. Zählst du stattdessen die Träger, ist Q=Ne mit der Anzahl N. Beide Sichtweisen liefern dasselbe Q. Weil N eine ganze Zahl ist, wächst Q in winzigen, aber diskreten Stufen von je e, nie kontinuierlich.
Unten kreuzen einzelne Elektronen die gestrichelte Querschnittslinie. Jedes Mal, wenn eines durchgeht, springt der Zähler n um eins, und die Gesamtladung Q=n⋅e wächst um genau ein Päckchen e, sichtbar als Stufe auf dem Zahlenstrahl. Der Speed-Schieber beschleunigt den Durchfluss, der Reset-Knopf stellt den Zähler auf null zurück. Die Live-Werte stehen im Readout-Streifen.
Beschreibung
Einzelne Elektronen passieren eine Querschnittslinie. Counter zählt n, Gesamtladung wächst diskret in Schritten von e=1.602⋅10−19C. Slider Speed beschleunigt den Durchfluss; Button Reset setzt den Zähler zurück.
n0
Q = n·e0·e
Q0 C
1.0
Abb. 3: Ladungsquantisierung Q=n⋅e
NotationElementarladung e e=1.602⋅10−19C. Kleinste freie Ladung. Elektron −e, Proton +e.
MerkeQuantisierung
Jede Ladung ist Q=Ne mit ganzzahligem N. Ladung wächst in Stufen von e, nie kontinuierlich.
FormelLadung aus Strom
Q=∫Idt=Ne
Zeitintegral des Stroms, gleich Trägerzahl mal e.
1.4 Ladungsdichten λ, σ und ρ
Ladung muss nicht in einem Punkt sitzen. Sie kann auf einer Linie verschmiert sein (ein geladener Draht), auf einer Fläche (eine Kondensatorplatte) oder in einem Volumen (eine Raumladungswolke). Für jeden dieser drei Fälle gibt es eine eigene Dichte, die sagt, wie viel Ladung pro Längen-, Flächen- oder Volumeneinheit sitzt.
!!
Ladungsdichten
λσρ=lQ=AQ=VQ(Linie)(Fla¨che)(Volumen)
Gesamtladung im Volumen: Qges=∫VρdV. Einheiten: [λ]=C/m, [σ]=C/m2, [ρ]=C/m3.
Unten siehst du dieselbe Gesamtladung Q dreimal anders verteilt: links auf einer Linie (λ), in der Mitte auf einer Fläche (σ), rechts in einem Volumen (ρ). Zieh den Schieber Q und beobachte, wie sich die Punktdichte in allen drei Spalten gleichzeitig ändert; die zugehörigen Dichtewerte aktualisieren sich live im Readout-Streifen.
Beschreibung
Drei Spalten visualisieren die drei Ladungsverteilungen: Linie (λ in C/m), Fläche (σ in C/m²), Volumen (ρ in C/m³). Slider Ladung passt Q an, die Dichte-Werte unten aktualisieren sich live.
NotationSymbol-Konflikt ρ, σ
Hier (1.4): ρ Volumenladung (C/m3), σ Flächenladung. Ab 3.1: ρ spez. Widerstand (Ωm), σ Leitfähigkeit. Kontext entscheidet.
1.5 Driftgeschwindigkeit und Signalgeschwindigkeit
Du drückst den Lichtschalter, und die Lampe leuchtet sofort. Rasen die Elektronen mit Lichtgeschwindigkeit durch den Draht? Überraschenderweise nein: die einzelnen Elektronen kriechen geradezu. Trotzdem kommt das Signal fast augenblicklich an. Diese zwei Geschwindigkeiten muss man auseinanderhalten.
!!
Driftgeschwindigkeit
vd=neAI
n Teilchendichte (n=N/V=ρNA/Mm, mit Avogadro-Zahl NA und molarer Masse Mm). A Querschnittsfläche, e Elementarladung.
Drift gegen Signal. Die Driftgeschwindigkeit vd ist nicht die thermische Geschwindigkeit der Elektronen. Die thermische Bewegung im Kupfer liegt bei rund 106m/s, chaotisch in alle Richtungen, mittelt sich zu null. Die mittlere Drift in Stromrichtung dagegen ist nur ∼0.1mm/s. Trotzdem leuchtet die Lampe sofort: nicht die einzelnen Elektronen rasen durch den Draht, sondern das elektrische Signal breitet sich praktisch mit Lichtgeschwindigkeit aus, ähnlich wie ein Schubs am Anfang einer langen Murmelkette sofort am Ende ankommt.
Oben kriechen viele Elektronen mit der winzigen Driftgeschwindigkeit vd nach links. Unten rast ein einzelner gelber Signal-Puls fast mit Lichtgeschwindigkeit. Mit dem Toggle blendest du nur die Drift, nur das Signal oder beide gleichzeitig ein; der Schieber Strom I erhöht vd. Der gewaltige Faktor zwischen Signal und Drift steht im Readout-Streifen.
Beschreibung
Oben: viele Elektronen mit langsamer Drift (vd≈0.014mm/s im Cu). Unten: ein schneller Signal-Puls (nahe Lichtgeschwindigkeit). Box rechts zeigt Cu-Materialwerte und die berechnete Driftgeschwindigkeit. Toggle blendet nur Drift, nur Signal oder beide ein; Slider Speed reguliert das Tempo, Strom I erhöht vd.
I2.0 A
vd (Drift)0.028 mm/s
vSignal / vd7.1·10¹²
2.0
1.0
Abb. 5: Drift vs Signal-Geschwindigkeit
DefinitionDriftgeschwindigkeit vd
Mittlere Geschwindigkeit der Träger in Stromrichtung: vd=I/(neA). Im Cu nur ∼0.1mm/s.
MerkeDrift ≠ Signal
Elektronen driften langsam (mm/s), das elektrische Signal läuft fast mit Lichtgeschwindigkeit. Deshalb leuchtet die Lampe sofort.
FormelDriftgeschwindigkeit
vd=neAI
Strom geteilt durch Trägerdichte, Ladung und Fläche.
2Spannung, Widerstand und das Ohmsche Gesetz
2.1 Spannung, Strom und das Ohmsche Gesetz
Eine Batterie pumpt Ladungen durch einen Stromkreis, ein Widerstand bremst sie. Spannung misst, wie stark die Pumpe drückt; Widerstand misst, wie stark gebremst wird. Das Ohmsche Gesetz verknüpft beide mit dem Strom. Behalte dabei die zwei Richtungen aus Abschnitt 1.1 im Kopf: der Konventionsstrom läuft +→−, die Elektronen physikalisch −→+.
Drei Spannungen, die du auseinanderhalten musst.
UQ ist die Quellspannung (oder elektromotorische Kraft, EMK). Das ist die Spannung, die die Batterie liefert, wenn kein Strom fliesst (Leerlauf).
UR ist die Spannung über einem Widerstand (Spannungsabfall in Stromrichtung).
Ukl ist die Klemmenspannung einer realen Batterie, also was du aussen am Pol misst, wenn ein Strom fliesst. Es gilt Ukl=UQ−RiI mit Ri als Innenwiderstand der Batterie.
!!!
Ohmsches Gesetz (Spannung = Potentialdifferenz)
U=R⋅I
[U]=V=J/C (Volt = Joule pro Coulomb, also Energie pro Ladung).
In Worten:U misst die Energie, die ein Coulomb beim Durchfluss durch ein Bauteil abgibt oder aufnimmt. 1V=1J/C. In Stromrichtung gesehen: über einem Widerstand fällt die Spannung ab (Energie geht als Wärme an die Umgebung), über einer Batterie steigt sie (Energie wird zugeführt).
Der geschlossene Kreis unten besteht aus Batterie und einem Widerstand. Zieh die Quellspannung UQ hoch oder den Widerstand R herunter und beobachte, wie der Strom I=UQ/R steigt; rechts zeichnen zwei Mini-Diagramme den Verlauf von I und UR mit. Der Fluss-Knopf unter der Leinwand schaltet zwischen Konventionsstrom (rot, +), Elektronen (blau, −) und beidem. Alle Live-Werte stehen im Readout.
Beschreibung
Geschlossener Kreis aus Batterie und einem Widerstand. Live-Werte UQ, R, I=UQ/R und UR=R⋅I aktualisieren sich mit den Slidern. Animierte +-Symbole zeigen den Konventionsstrom (Richtung positiver Träger, +→−); ihre Geschwindigkeit ist proportional zu I. Die Elektronen wandern in Metallen physisch entgegengesetzt (−→+, siehe 1.1).
UQ12 V
R6 Ω
I2.00 A
UR12.0 V
12.0
6.0
1.0
Abb. 6: Spannung am Widerstand (U=R⋅I)
DefinitionSpannung U
Energie pro Ladung zwischen zwei Punkten: U=W/Q. Einheit Volt (V).
NotationUQ, UR, Ukl UQ Quellspannung (Leerlauf). UR Spannungsabfall am Widerstand. Ukl Klemmenspannung der realen Batterie unter Last.
Gilt U=R⋅I immer? Nur für brave Bauteile. Bei einem Stück Kupferdraht ist R tatsächlich konstant. Bei einer Glühbirne, einer Diode oder einem Halbleiter dagegen hängt der Widerstand vom Arbeitspunkt ab. Solche Bauteile heissen nicht-ohmsch, und ihre Kennlinie ist keine Gerade mehr.
In Worten: Ohmsche Leiter haben einen konstanten R, ihre U(I)-Kennlinie ist eine Gerade durch den Ursprung. Nicht-ohmsche Leiter haben gekrümmte Kennlinien. Wenn man bei ihnen trotzdem einen lokalen Widerstand definieren will, nimmt man den differentiellen WiderstandRdiff=dU/dI, also die Tangentensteigung an einem Arbeitspunkt.
Im Plot unten ist die grüne Gerade ein ohmscher Widerstand (R=2Ω konstant), die orange Kurve ein nicht-ohmsches Bauteil. Schieb den Arbeitspunkt I0 entlang der Kurve: die eingezeichnete Tangente ist der differentielle Widerstand Rdiff=dU/dI an dieser Stelle. Bei der Geraden bleibt er konstant, bei der Kurve ändert er sich sichtbar. Die Werte stehen im Readout.
Beschreibung
Plot zweier Kennlinien: grüne Gerade (ohmscher Widerstand mit R=2Ω konstant), orange Kurve (nicht-ohmsch, U=0.5I1.5). Slider Arbeitspunkt I0 verschiebt den Marker; Tangente an der Kurve gibt den differentiellen Widerstand Rdiff=dU/dI am Arbeitspunkt aus.
I02.0 A
U01.41 V
Rdiff1.06 Ω
2.0
Abb. 7: U-I-Kennlinie ohmsch vs nicht-ohmsch
DefinitionWiderstand R
Verhältnis U/I an einem Bauteil. Einheit Ohm (Ω). Bei ohmschen Leitern konstant.
MerkeOhmsch ⇔ Gerade durch 0
Konstanter R heisst U(I)-Kennlinie ist eine Gerade durch den Ursprung. Krümmung heisst nicht-ohmsch (Diode, Halbleiter).
FormelDifferentieller Widerstand
Rdiff=dIdU
Tangentensteigung der Kennlinie am Arbeitspunkt. Für nicht-ohmsche Bauteile.
3Widerstandsgesetze
3.1 Widerstand und Geometrie: R = ρ l/A
Ein Draht hat einen Widerstand. Wovon hängt er ab, und wie rechnest du ihn aus, ohne ihn zu messen? Die Antwort hat zwei Zutaten: die Geometrie (Länge l, Querschnittsfläche A) und das Material (spezifischer Widerstand ρ). Erst die Anschauung, dann die Formel.
Geometrie-Intuition. Ein längerer Draht heisst mehr Strecke für Stösse zwischen Elektronen und Atomgitter, also mehr Widerstand: R∝l. Ein dickerer Draht heisst mehr parallele Pfade für die Elektronen, also weniger Widerstand: R∝1/A. Beides zusammen ergibt R=ρl/A.
!!!
Grössenabhängigkeit
R=ρAl
l Leiterlänge, A Querschnittsfläche, ρ spezifischer Widerstand mit [ρ]=Ωm.
Achtung doppelte Symbol-Belegung. In diesem Abschnitt ist ρ der spezifische Widerstand (Ωm), und σ=1/ρ ist die elektrische Leitfähigkeit (S/m). In Abschnitt 1.4 war ρ die Volumen-Ladungsdichte (C/m3) und σ die Flächenladungsdichte (C/m2). Der Kontext entscheidet, was gemeint ist. Wenn du verwirrt bist, lies das Wort daneben.
Der Kupferdraht in der Mitte ändert seine Form mit den Schiebern: Länge l streckt ihn, Querschnitt A macht ihn dicker. Beobachte im Readout, wie R reagiert: doppelte Länge gibt doppelten Widerstand, doppelter Querschnitt halbiert ihn. Das Material ist auf Kupfer festgelegt.
Beschreibung
Draht skaliert visuell mit Länge l und Querschnittsfläche A. Material fest Cu (ρ=1.68⋅10−8Ωm). Den aktuellen Widerstand R zeigt der Readout-Streifen unter der Leinwand. Slider Länge und Querschnitt zeigen direkt, wie R reagiert: doppelte Länge → doppelter R; doppelter Querschnitt → halber R.
R = ρ·l/A22.40 mΩ
2.0
1.5
Abb. 8: Geometrie-Abhängigkeit R=ρl/A
DefinitionSpezifischer Widerstand ρ
Material-Konstante mit [ρ]=Ωm. Inverses ist die Leitfähigkeit σ=1/ρ.
Notationρ und σ doppelt belegt
Hier (3.1): ρ spez. Widerstand, σ Leitfähigkeit. In 1.4: ρ Volumenladung, σ Flächenladung. Der Kontext klärt es.
PrüfungstippEinheit mm2 1mm2=10−6m2. Vor jedem R=ρl/A umrechnen.
FormelR-Formel anwenden
R=ρAl
Geometrie (l, A) und Material (ρ) getrennt.
3.2 Temperaturabhängigkeit ρ(T)
Warum wird der Widerstand eines Metalls grösser, wenn es heiss wird? Anschaulich: bei höherer Temperatur schwingen die Atome im Gitter heftiger. Ein Elektron, das durchwill, stösst dann häufiger an, kommt schlechter durch, der Widerstand steigt. Quantitativ linearisiert man diesen Effekt mit einem Temperaturkoeffizienten α.
!!
Temperaturabhängigkeit
ρ(T)=ρ0[1+α(T−T0)]
σ=1/ρ (Leitfähigkeit). [α]=1/∘C. Für Metalle α>0 (Widerstand steigt mit T); Halbleiter haben α<0, da mehr freie Träger bei höherer Temperatur.
Achtung Bauteil-Falle. Das Ohmsche Gesetz mit R=const gilt nur bei konstanter Temperatur. Eine Glühbirne im Betrieb wird heiss, ihr ρ und damit ihr R steigen stark an, sie ist im Betrieb also nicht-ohmsch. Genau das macht sie zu einem der nicht-ohmschen Bauteile aus Abschnitt 2.2.
Die Kurve unten ist ρ(T) für Kupfer. Zieh den Temperatur-Schieber: der Arbeitspunkt (Fadenkreuz) wandert die Gerade entlang, und im Readout siehst du ρ(T) und den Widerstand pro Meter steigen. Bei Metallen geht es bergauf, weil das Gitter mit der Temperatur heftiger schwingt.
Beschreibung
Plot ρ(T)=ρ0[1+α(T−T0)] für Cu (ρ0=1.68⋅10−8Ωm, α=0.00393K−1). Slider Temperatur verschiebt den Crosshair-Marker (Arbeitspunkt); aktuelles ρ(T) und der resultierende R für einen 1-m-Draht mit 1 mm² Querschnitt stehen im Readout-Streifen unter der Leinwand.
MerkeGlühbirne ist nicht-ohmsch
Im Betrieb heiss, also ρ und R stark erhöht. R=const gilt nur bei konstanter Temperatur.
Formelρ(T) linear
ρ(T)=ρ0[1+α(T−T0)]
Linearisiert in T−T0, gilt im engen Temperaturbereich.
3.3 Leiter, Halbleiter, Isolator
Warum leitet Kupfer den Strom mühelos, Glas praktisch gar nicht und Silizium irgendwo dazwischen? Der spezifische Widerstand ρ spannt einen gewaltigen Bereich auf, über mehr als zwanzig Zehnerpotenzen. Drei Material-Klassen sollte man im Kopf haben.
Leiter (Metalle): ρ∼10−8Ωm. Cu = 1.68×10−8, Al = 2.82×10−8, Ag = 1.59×10−8.
Halbleiter: ρ irgendwo zwischen 10−3 und 103Ωm. Si bei Raumtemperatur ∼103.
Isolatoren: ρ≳108Ωm. Glas, Gummi, Keramik.
Unten sitzen die Materialien als Balken auf einer logarithmischen ρ-Achse über 24 Grössenordnungen. Schieb die Probe-Linie über die Achse: der Readout zeigt ρ an dieser Stelle und in welche Klasse (Leiter, Halbleiter, Isolator) sie fällt. Sieh, wie eng die Metalle links beieinander liegen und wie weit weg Glas und Gummi rechts sitzen.
Beschreibung
Horizontale Bars für Ag, Cu, Al, Fe, Si, Glas, Gummi auf logarithmischer ρ-Achse von 10−8 bis 1016Ωm. Drei farbige Regionen: Leiter (grün, links), Halbleiter (orange, Mitte), Isolator (rot, rechts). Schiebe die Probe-Linie über die Achse: der Readout zeigt ρ an dieser Stelle und in welche Materialklasse sie fällt.
Sobald du Batterien und Widerstände zu einem Netzwerk verschaltest, brauchst du zwei Erhaltungssätze, um alle Ströme und Spannungen auszurechnen. Das sind Kirchhoffs Regeln. Die erste, die Knotenregel, ist nichts anderes als Ladungserhaltung an einem Verzweigungspunkt.
In Worten: An jedem Verzweigungspunkt fliesst genauso viel Ladung hinein wie hinaus. Sonst würde sich Ladung am Knoten ansammeln, was bei stationärem Strom physikalisch nicht passiert.
Im Kreis unten läuft der Hauptstrom I auf den gelb markierten Knoten zu und teilt sich dort in I1 und I2 auf. Zieh R1 und R2: der kleinere Widerstand schnappt sich den grösseren Stromanteil. Im Readout siehst du, dass I−I1−I2 immer null bleibt, genau das ist die Knotenregel.
Beschreibung
Batterie + zwei parallele Widerstände. Knoten oben (gelber Dot) verzweigt den Hauptstrom I in zwei Branches I1 und I2. Die animierten +-Symbole zeigen den Konventionsstrom (positive Träger) und splitten sich am Knoten; Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen (1.1). Labels zeigen I=I1+I2 live; die Aufteilung folgt dem Stromteiler Ik∝1/Rk.
I5.00 A
I₁3.00 A
I₂2.00 A
Σ KCL0.000 ≈ 0 ✓
4.0
6.0
1.0
Abb. 11: Knotenregel (KCL)
DefinitionKnoten
Verzweigungspunkt im Schaltkreis, an dem sich mehrere Zweige treffen.
Notation∑Ik=0
Knotenregel (KCL): Summe aller Ströme an einem Knoten ist null. Folgt aus Ladungserhaltung.
MerkeStromteiler-Vorgriff
Kleinerer Widerstand bekommt grösseren Strom-Anteil: Ik∝1/Rk. Details in 4.4.
4.2 Maschenregel (KVL)
Die zweite Kirchhoff-Regel betrifft eine geschlossene Schleife (Masche). Sie ist die Energieerhaltung in Schaltungsform: läufst du einmal im Kreis herum und kommst wieder am Start an, muss die Summe aller Spannungs-Hubs und -Abfälle null sein.
!!!
Maschenregel (KVL)
∑Ui=∑IkRk
Energieerhaltung um eine geschlossene Masche: Summe der Batteriespannungen gleich Summe aller Spannungsabfälle in derselben Masche.
In Worten: Läufst du im Kreis durch eine geschlossene Masche, kommst du am Startpunkt mit demselben Potential an, mit dem du losgegangen bist. Konkret: die Summe aller Spannungs-Hubs (Batterien) gleich der Summe aller Spannungsabfälle (Widerstände).
Unten siehst du eine geschlossene Masche mit Batterie und zwei Widerständen in Reihe. Das Balkendiagramm rechts startet beim Spannungs-Hub +UQ der Batterie und zieht für jeden Widerstand seinen Spannungsabfall ab; am Ende landet es wieder bei 0V. Zieh R1 und R2 und beobachte, wie sich die Abfälle umverteilen, ihre Summe aber stets gleich UQ bleibt.
Beschreibung
Geschlossener Kreis Batterie + zwei Widerstände in Reihe. Rechts daneben Bilanz-Diagramm: grüner Balken Batterie (+UQ), dann roter Drop U1=R1I, blauer Drop U2=R2I, Endwert 0 V. Animierte +-Symbole entlang der Masche zeigen den Konventionsstrom; Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen (1.1). Labels live.
UQ12 V
U₁4.00 V
U₂8.00 V
Σ KVL0.000 ≈ 0 ✓
4.0
8.0
1.0
Abb. 12: Maschenregel (KVL) plus Spannungsbilanz
DefinitionMasche
Geschlossener Stromweg, der zum Startpunkt zurückführt.
Notation∑Ui=∑IkRk
Maschenregel (KVL): Summe der Quellspannungen gleich Summe der Spannungsabfälle. Folgt aus Energieerhaltung.
PrüfungstippKirchhoff-Rezept
1. Ströme einzeichnen. 2. KCL an jedem Knoten. 3. KVL für jede Masche. 4. Lineares Gleichungssystem auflösen.
4.3 Reihenschaltung
Was passiert, wenn du mehrere Widerstände hintereinander in einen einzigen Strompfad hängst? Es gibt keinen Abzweig, also fliesst durch alle derselbe Strom. Aus den zwei Kirchhoff-Regeln folgt sofort, wie sich die Widerstände addieren.
!!
Reihenschaltung
Rtot=∑Ri
Gleicher Strom I durch alle Widerstände (KCL am Zwischenknoten); Spannungen addieren sich (KVL um die Masche).
Reihenschaltung erklärt. Der Strom durch alle ist gleich (KCL am Knoten zwischen zwei Widerständen). Die Spannungen addieren sich (KVL um die Masche). Daraus Rtot=∑Ri. Faustregel: Serie macht den Gesamtwiderstand grösser.
!!
Spannungsteiler
U1=U⋅R1+R2R1
Zwei Widerstände in Serie an Spannung U: der grössere Widerstand bekommt den grösseren Spannungs-Anteil.
Unten hängen drei Widerstände in Reihe an einer Batterie. Derselbe Strom I läuft durch alle. Zieh die drei R-Schieber: im Readout siehst du Rges=R1+R2+R3 wachsen und I=UQ/Rges entsprechend sinken, während sich die drei Spannungsabfälle exakt zu UQ aufsummieren.
Beschreibung
Drei Widerstände in Reihe mit Batterie. Gleicher Strom I überall (KCL). Spannungen addieren sich zu UQ (KVL). Rtot=R1+R2+R3. Slider stellen die drei Widerstände separat ein; Live-Werte: Rtot, I=UQ/Rtot, U1, U2, U3. Die animierten +-Symbole zeigen den Konventionsstrom; Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen (1.1).
Und wenn du die Widerstände stattdessen nebeneinander zwischen dasselbe Knotenpaar hängst? Dann liegt an allen dieselbe Spannung, aber jeder zieht seinen eigenen Strom. Das Ergebnis ist umgekehrt zur Reihenschaltung: der Gesamtwiderstand wird kleiner.
!!
Parallelschaltung
Rtot1=∑Ri1
Gleiche Spannung U über allen Widerständen (sie hängen am selben Knotenpaar); Ströme addieren sich (KCL am Eingangsknoten).
Parallelschaltung erklärt. Die Spannung über allen ist gleich (alle hängen am selben Knotenpaar). Die Ströme addieren sich (KCL am Eingangsknoten). Daraus 1/Rtot=∑1/Ri. Faustregel: Parallel macht den Gesamtwiderstand kleiner als jeder Einzelwiderstand.
Stromteiler. Zwei Widerstände R1,R2 parallel mit Gesamtstrom I: I1=I⋅R2/(R1+R2). Achtung, umgekehrt zum Spannungsteiler: der kleinere Widerstand bekommt den grösseren Strom-Anteil.
Quickie für zwei parallele Widerstände:Rtot=R1R2/(R1+R2) (Produkt durch Summe). Spart das Kehrwert-Hin-und-Her.
Unten hängen drei Widerstände parallel an derselben Quellspannung UQ. Jeder Zweig führt seinen eigenen Strom, der kleinste Widerstand am meisten. Zieh die Schieber und beobachte: Rges wird kleiner als der kleinste Einzelwiderstand, und die drei Zweigströme addieren sich exakt zum Gesamtstrom (Readout).
Beschreibung
Drei Widerstände parallel zur Batterie. Gleiche Spannung UQ überall. Ströme addieren sich zu Itot. Animierte +-Symbole pro Branch zeigen den Konventionsstrom mit Strom-proportionaler Dichte: kleinerer R → mehr Träger pro Sekunde. Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen (1.1). 1/Rtot=1/R1+1/R2+1/R3.
Rges2.00 Ω
I6.00 A
ΣI6.00 A ✓
UQ12 V
6.0
12.0
4.0
1.0
Abb. 14: Parallelschaltung 3 Widerstände
MerkeParallel ⇒ ∑1/R
Parallelschaltung macht Rtot kleiner als jeder Einzelwiderstand.
FormelStromteiler
I1=I⋅R1+R2R2
Parallel: kleiner Widerstand kriegt mehr Strom (umgekehrt zum Spannungsteiler).
FormelZwei parallel: Quickie
Rtot=R1+R2R1R2
Produkt durch Summe, spart das Kehrwert-Spiel.
4.5 Stern-Dreieck-Umwandlung
Manche Netzwerke lassen sich nicht durch reine Serie- oder Parallelschaltungen reduzieren. Klassisches Beispiel: drei Widerstände im Dreieck zwischen drei Knoten oder als Stern um einen zentralen Knoten. Die Stern-Dreieck-Umwandlung (auch Y-Δ-Transformation) verwandelt eine Konfiguration in die andere und löst damit das Problem.
Setup. Im Dreieck verbinden drei Widerstände Rab,Rbc,Rac drei äussere Knoten a,b,c paarweise. Im Stern führen drei Widerstände Ra,Rb,Rc von einem zentralen Knoten 0 zu den drei äusseren Knoten. Beide Konfigurationen sind elektrisch äquivalent, wenn sie zwischen den drei Aussenknoten dieselben Widerstände aufweisen. Die folgenden Formeln liefern den Umrechnungsmechanismus.
!!
Dreieck → Stern (Δ → Y)
Ra=Rab+Rbc+RacRabRac
Sternwiderstand am Knoten a ist das Produkt der zwei am Knoten anliegenden Dreieckswiderstände durch die Summe aller drei. Analog für Rb und Rc.
!!
Stern → Dreieck (Y → Δ)
Rab=Ra+Rb+RcRaRb
Dreieckswiderstand zwischen a und b ist die Summe der zwei anliegenden Sternwiderstände plus deren Produkt durch den dritten (Rc). Analog für Rbc und Rac.
Wann brauche ich das? Genau dann, wenn weder Serie noch Parallel allein das Netzwerk vereinfachen. Typische Beispiele: die Wheatstone-Brücke (siehe 7.1) im allgemeinen, nicht-abgeglichenen Zustand; ein Würfel mit 12 gleichen Widerständen entlang der Kanten; Drei-Phasen-Netzwerke in der Energietechnik. Symmetrie-Spezialfall: wenn alle drei Stern- oder Dreieckswiderstände gleich sind, vereinfachen sich die Formeln zu RY=RΔ/3 beziehungsweise RΔ=3RY.
Links das Dreieck mit den Widerständen Rab,Rbc,Rac, rechts der äquivalente Stern. Zieh die drei Dreieckswiderstände an den Schiebern: die Sternwerte Ra,Rb,Rc im Readout werden live aus den Δ→Y-Formeln berechnet. Beide Schaltungen verhalten sich an den drei Aussenknoten a,b,c exakt gleich.
Beschreibung
Links: Dreieck-Konfiguration mit drei Widerständen Rab,Rbc,Rac zwischen den Knoten a,b,c. Rechts: äquivalente Stern-Konfiguration mit zentralem Knoten 0 und drei Widerständen Ra,Rb,Rc. Die Sternwerte sind live aus den Δ→Y-Formeln berechnet. Slider regulieren die drei Dreieckswiderstände unabhängig.
Rab3.0 Ω
Rbc6.0 Ω
Rac4.0 Ω
Ra0.92 Ω
Rb1.38 Ω
Rc1.85 Ω
3.0
6.0
4.0
Abb. 15: Y-Δ-Transformation
DefinitionY-Δ-Transformation
Umwandlung zwischen Drei-Stern-Konfiguration und Drei-Dreieck-Konfiguration mit gleicher Wirkung an den drei Aussenknoten.
NotationRa, Rab Ra,Rb,Rc Sternwiderstände vom zentralen Knoten zu Aussenknoten a,b,c. Rab,Rbc,Rac Dreieckswiderstände zwischen den jeweiligen Aussenknoten.
MerkeSymmetrie-Spezialfall
Bei drei gleichen Widerständen: RY=RΔ/3 und RΔ=3RY.
FormelΔ → Y
Ra=Rab+Rbc+RacRabRac
Produkt der zwei anliegenden, durch Summe aller drei.
4.6 Maschenstrom- und Knotenpotential-Methode
Bei grossen Netzwerken (mehr als drei oder vier Maschen) wird Kirchhoff per Hand schnell unübersichtlich. Zwei systematische Verfahren reduzieren das Problem auf ein lineares Gleichungssystem mit klar definierten Unbekannten: die Maschenstrom-Methode und die Knotenpotential-Methode.
Maschenstrom-Methode. Definiere für jede unabhängige Masche einen MaschenstromJi, der die ganze Masche umrundet. Tatsächliche Zweigströme sind Summen der durchlaufenden Maschenströme: ein Zweig, der zu zwei Maschen i und j gehört, trägt den Strom Ji±Jj (Vorzeichen je nach Umlaufrichtung). KVL um jede Masche liefert so viele Gleichungen wie Maschenströme. Vorteil: KCL ist automatisch erfüllt, weil jeder Maschenstrom in jeden Knoten genauso hineinfliesst wie er hinausfliesst.
Knotenpotential-Methode. Wähle einen Knoten als Bezugspunkt (Masse, φ=0). Definiere für jeden anderen Knoten ein Potential φk. Zweigströme folgen aus dem Ohmschen Gesetz: zwischen Knoten a und b über Widerstand R fliesst Iab=(φa−φb)/R. KCL an jedem Knoten ausser der Masse liefert die Gleichungen. Vorteil: KVL ist automatisch erfüllt, weil ein Potential per Definition wegunabhängig ist.
!
Anzahl unabhängiger Maschen (Euler-Formel)
M=Z−K+1
Z Anzahl Zweige, K Anzahl Knoten, M Anzahl unabhängiger Maschen. Liefert die Anzahl der KVL-Gleichungen, die du aufstellen musst (bzw. die Anzahl Maschenströme).
Wann welche Methode? Faustregel über die Anzahl Unbekannter:
Maschenstrom wenn das Netzwerk wenige Maschen, aber viele Knoten hat (planare Schaltung mit wenigen Bereichen).
Knotenpotential wenn wenige Knoten, aber viele Zweige (sternförmige Topologie).
Beide Methoden sind äquivalent und liefern dasselbe Resultat. Wähle die mit weniger Unbekannten.
Unten ein Zwei-Maschen-Netzwerk. Der blaue Kreispfeil ist der Maschenstrom J1 der linken Masche, der orange J2 der rechten. Im gemeinsamen Widerstand R3 überlagern sie sich zum echten Zweigstrom J1−J2. Zieh die Schieber für UQ und die drei Widerstände und beobachte im Readout, wie die drei Ströme zusammenhängen.
Beschreibung
Zwei-Maschen-Netzwerk: drei Widerstände, eine Batterie. Linke Masche mit umlaufendem Maschenstrom J1 (blauer Pfeil), rechte Masche mit J2 (oranger Pfeil). Im gemeinsamen Zweig ergibt sich der echte Zweigstrom als Differenz J1−J2. Animierte +-Symbole auf den Drähten zeigen den Konventionsstrom; Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen (1.1). Slider variieren die Werte; die Beschriftung der Maschenströme aktualisiert sich live.
J₁1.62 A
J₂0.92 A
IR₃0.69 A
UQ12 V
12.0
4.0
6.0
8.0
Abb. 16: Bridge mit Maschenströmen J1,J2
DefinitionMaschenstrom Ji
Hilfsvariable: ein Strom, der jeweils eine ganze Masche umrundet. Tatsächlicher Zweigstrom = Summe der durchlaufenden Maschenströme.
DefinitionKnotenpotential φk
Hilfsvariable: das Potential jedes Knotens relativ zur gewählten Masse (φ=0). Spannungen folgen als Differenzen φa−φb.
NotationZ,K,M Z Zweige, K Knoten, M=Z−K+1 unabhängige Maschen (Euler-Formel für planare Netzwerke).
MerkeWann welche Methode
Wenige Maschen → Maschenstrom. Wenige Knoten → Knotenpotential. Wähle die Methode mit weniger Unbekannten.
Warum wird ein Widerstand überhaupt warm, und woher kommt das I2 in P=RI2? Dafür muss man tief in den Draht schauen. Dort spielt sich ein Wechselspiel aus Beschleunigung und Stössen ab, das die elektrische Energie Schritt für Schritt in Wärme verwandelt.
Mikroskopisch. Das elektrische Feld beschleunigt die Elektronen, die in Stössen mit den Atomen ihre kinetische Energie ans Gitter abgeben. Das Gitter schwingt daraufhin heftiger, was makroskopisch Erwärmung heisst. Genau deswegen wird ein Bügeleisen heiss und eine Glühbirne leuchtet (heisser Glühfaden gibt thermische Strahlung ab). Je kleiner der Querschnitt, desto enger das Gedränge und desto mehr Stösse pro Strecke, also mehr Widerstand und mehr Joule-Wärme.
Unten der Blick tief in den Draht. Die blauen Elektronen werden vom E-Feld nach links getrieben, prallen aber ständig an den grauen Atomen ab (kurzes oranges Aufleuchten bei jedem Stoss). Genau diese Stösse geben Energie ans Gitter ab, das ist die Joule-Wärme. Der Speed-Schieber regelt das Tempo, der Schieber N die Anzahl Elektronen. Achte darauf, dass die mittlere Drift trotz des Chaos klar nach links zeigt.
Beschreibung
Vergrösserter Wire-Innenraum. Graue Atom-Punkte stehen in einem zufälligen Gitter. Blaue Elektronen fliegen durch und stossen sich elastisch von den Atomen ab (Geschwindigkeitsänderung plus kurzer orange Glow am Atom). E-Feld-Pfeil oben gibt die treibende Richtung. Die mittlere Drift im E-Feld ist trotz des Chaos klar nach links erkennbar.
Wo bleibt die Energie, die die Batterie liefert, wenn ein Strom durch einen Widerstand fliesst? Sie wird im Widerstand zu Wärme (Joule-Erwärmung). Wie viel pro Sekunde, also welche Leistung, sagt eine der meistgebrauchten Formeln des ganzen Kapitels.
!!!
Leistung eines Widerstands
P=UI=RI2=RU2
[P]=W=V⋅A=J/s (Watt = Joule pro Sekunde).
In Worten: Leistung ist Energie pro Zeit. An einem Bauteil mit Spannungsabfall U und Strom I wird P=UI Energie pro Sekunde umgesetzt. Mit dem Ohmschen Gesetz U=RI folgen die zwei äquivalenten Formen P=I2R und P=U2/R. Welche du nimmst, hängt davon ab, was gegeben ist. Tipp: alle drei aufschreiben und die wählen, in der nur bekannte Grössen stehen.
Energie aus Leistung. Über eine Zeit t aufaddiert: W=Pt. Übliche Einheit für Stromrechnungen ist die Kilowattstunde, 1kWh=3.6MJ. Dein Stromzähler zu Hause misst genau das.
Im Kreis unten glüht der Widerstand orange, und die Stärke des Glühens folgt direkt der vom Solver berechneten Leistung P. Zieh U hoch oder R herunter: der Readout zeigt, dass die drei Formen P=U⋅I=RI2=U2/R stets denselben Wert ergeben. Mehr Leistung heisst sichtbar heisseres Glühen.
Beschreibung
Schaltung Batterie + Widerstand mit animierten +-Symbolen, die den Konventionsstrom zeigen (Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen, 1.1). Widerstand pulsiert orange (Glow-Halo proportional zur dissipierten Leistung); Hitze-Wellen expandieren nach aussen. Rechts drei Formel-Boxen P=U⋅I, P=I2R, P=U2/R. Resultat-Box unten gross. Slider U und R verändern Strom und Leistung live.
U12 V
I2.00 A
R6 Ω
P24.0 W
12.0
6.0
1.0
Abb. 18: Leistung mit glühendem Widerstand
DefinitionLeistung P
Energie pro Zeit. Einheit Watt (W=J/s). An einem Widerstand: P=UI.
MerkeDrei P-Formen P=UI=I2R=U2/R. Alle drei äquivalent über Ohm. Wähle die mit nur bekannten Grössen.
Prüfungstipp1kWh=3.6MJ
Stromzähler-Einheit. W=Pt, in kWh wenn P in kW und t in Stunden.
5.3 Leitergeometrie und Querschnitt
In Aufgaben ist der Drahtquerschnitt fast nie direkt gegeben, sondern über den Durchmesser d. Bevor man R=ρl/A einsetzen kann, muss man daraus die Fläche A rechnen. Für einen runden Draht ist das eine kleine, aber unverzichtbare Geometrie-Formel.
!
Querschnittsfläche eines runden Leiters
A=4πd2
d ist der Drahtdurchmesser. Vor dem Einsetzen in R=ρl/A daran denken: 1mm2=10−6m2.
Worauf achten. Weil A∝d2, ist der Effekt des Durchmessers überproportional: verdoppelst du d, vervierfachst du A und viertelst damit den Widerstand pro Meter. Das ist der Grund, warum schon kleine Durchmesser-Unterschiede den Widerstand stark verändern.
Unten vier Kupferdrähte im Querschnitt mit Durchmessern von 0.5 bis 2.6 mm. Unter jedem stehen die Fläche A=πd2/4 und der Widerstand pro Meter für Kupfer. Vergleiche die vier: der doppelte Durchmesser ergibt die vierfache Fläche und nur ein Viertel des Widerstands pro Meter. Der Speed-Schieber regelt die kreisenden Elektronen im Inneren.
Beschreibung
Vier Drähte als Kreise nebeneinander mit Durchmesser 0.5/1.0/1.6/2.6 mm. Pro Kreis: gestrichelte Durchmesser-Linie, Label d, A=πd2/4 in mm², R pro Meter für Cu. Animierte Elektronen rotieren im Kreis-Inneren. Formel A=πd2/4 unten gross.
1.0
Abb. 19: Querschnittsfläche A=πd2/4
FormelQuerschnitt rund
A=4πd2
d Drahtdurchmesser. A∝d2.
PrüfungstippErst A, dann R
Aus dem Durchmesser d zuerst A=πd2/4 rechnen, in m2 umrechnen, dann in R=ρl/A einsetzen.
5.4 Leistungsanpassung und Wirkungsgrad
Eine reale Quelle hat einen Innenwiderstand Ri. Wann gibt sie die meiste Leistung an eine externe Last Rext ab? Und ist das dasselbe wie der beste Wirkungsgrad? Überraschenderweise nicht: maximale Leistung und maximaler Wirkungsgrad sind zwei verschiedene Optimierungsziele, die sich sogar ausschliessen.
Setup. Eine reale Quelle mit Quellspannung UQ und Innenwiderstand Ri speist eine externe Last Rext. Strom im Kreis (KVL): I=UQ/(Ri+Rext). Spannung an der Last: UL=RextI. Daraus die abgegebene Leistung an die Last:
!!
Leistung an externer Last
Pext(R)=(R+Ri)2UQ2R
R=Rext, Ri Innenwiderstand der Quelle, UQ Quellspannung. Funktion von R allein, da UQ und Ri Quellen-Eigenschaften sind.
Maximum bestimmen. Ableiten nach R und null setzen: dRdPext=UQ2⋅(R+Ri)3Ri−R. Null genau bei R=Ri (Impedanzanpassung). Zweite Ableitung negativ, also Maximum. Eingesetzt:
!!!
Maximale Last-Leistung (Impedanzanpassung)
Pmax=4RiUQ2beiRext=Ri
Maximum hängt nur von Quellen-Eigenschaften ab. Bei jeder anderen Last gilt Pext<Pmax.
!!
Wirkungsgrad
η=PgesPext=Ri+RextRext
Pges=UQI ist die gesamte gelieferte Leistung. Differenz Pges−Pext=RiI2 wird in Ri verheizt.
Der Trade-off. Bei Impedanzanpassung (Rext=Ri) ist η=50%: genau die Hälfte der Energie geht in Ri verloren (die Batterie wird heiss). Will man hohen Wirkungsgrad, muss Rext≫Ri sein, aber dann ist die abgegebene Leistung klein. Will man maximale Leistung, ist Rext=Ri, aber Wirkungsgrad nur 50 Prozent. Beide Ziele schliessen sich gegenseitig aus.
Im Plot unten ist die blaue Kurve die an die Last abgegebene Leistung Pext(R), die grüne gestrichelte der Wirkungsgrad η. Schieb R: der Arbeitspunkt wandert, und genau bei R=Ri (goldener Marker) ist Pext maximal, der Wirkungsgrad aber nur 50 Prozent. Schiebst du Ri, wandert das Maximum mit. Die Live-Werte stehen im Readout.
Beschreibung
Blaue Kurve Pext(R)=UQ2R/(R+Ri)2 mit Maximum bei R=Ri. Gestrichelte grüne Kurve auf separater Achse: Wirkungsgrad η(R)=R/(R+Ri). Marker am aktuellen Arbeitspunkt (Slider R); Live-Anzeige Pext und η. Slider Ri verschiebt das Maximum.
R1.00 Ω
Pext9.00 W
η50.0 %
Pmax9.00 W
1.0
1.0
Abb. 20: Pext(R)-Kurve mit Wirkungsgrad
DefinitionWirkungsgrad η
Verhältnis abgegebener zu gesamter Leistung: η=Pext/Pges. Dimensionslos, oft in Prozent.
NotationRext, Ri Rext externe Last (Verbraucher), Ri Innenwiderstand der Quelle. UQ Quellspannung.
MerkeTrade-off Leistung gegen Wirkungsgrad
Maximale Leistung: η=50%. Maximaler Wirkungsgrad: P→0. Beide Ziele schliessen sich aus.
FormelPmax bei R=Ri
Pmax=4RiUQ2
Hängt nur von Quellen-Eigenschaften ab.
6Strom- und Spannungsmessung
6.1 Amperemeter, Voltmeter und Belastungsfehler
Wie misst du Strom und Spannung in einem Stromkreis, ohne genau das zu verfälschen, was du messen willst? Mit einem Amperemeter beziehungsweise Voltmeter. Beide Geräte haben einen endlichen Innenwiderstand, der das Messobjekt verändert. Daraus entsteht der Belastungsfehler, den man verstehen muss, um ihn klein zu halten.
Amperemeter. Misst den Strom durch einen Zweig. Wird in Reihe in den Strompfad geschaltet. Der Innenwiderstand RA muss klein sein, damit der zusätzliche Spannungsabfall vernachlässigbar bleibt. Idealfall: RA=0.
Voltmeter. Misst die Spannung zwischen zwei Knoten. Wird parallel zum Bauteil geschaltet. Der Innenwiderstand RV muss gross sein, damit der Querstrom durchs Voltmeter vernachlässigbar bleibt. Idealfall: RV→∞.
!!
Belastungsfehler Amperemeter
Imess=R+RAU=I0⋅R+RAR
I0=U/R ist der ungestörte Strom (ohne Amperemeter). Der gemessene Strom ist um den Faktor R/(R+RA)<1 kleiner. Für RA≪R vernachlässigbar.
!!
Voltmeter parallel zu Widerstand R
Reff=R+RVRRV
Effektiver Widerstand des Bündels R parallel zu RV. Für RV≫R: Reff≈R (kein Belastungseffekt). Für RV∼R: deutliche Verfälschung.
Vergleichsbeispiel. Strom durch einen 100-Ω-Widerstand bei 10 V. Ungestört: I0=10/100=0.1 A. Mit Amperemeter RA=1Ω: Imess=10/101≈0.099 A (1 Prozent Fehler). Mit billigem Voltmeter RV=1kΩ parallel zum Widerstand: Reff=100⋅1000/(100+1000)≈91Ω, also 9 Prozent Fehler. Lehre: das Voltmeter braucht RV≫R, sonst stimmt die Messung nicht.
Unten ein Messaufbau: 9-V-Batterie, 1-kΩ-Widerstand, ein Amperemeter A1 in Reihe und ein Voltmeter V1 parallel zum Widerstand. Zieh RA hoch (schlechtes Amperemeter) oder RV herunter (schlechtes Voltmeter) und beobachte im Readout, wie der Belastungsfehler ΔI/I0 bzw. ΔU/UR wächst. Ideal ist RA→0 und RV→∞.
Beschreibung
9 V Batterie + 1 kΩ Widerstand + Amperemeter A1 in Reihe + Voltmeter V1 parallel zum Widerstand. Animierte +-Symbole entlang der Hauptmasche zeigen den Konventionsstrom; Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen (1.1). Slider RA (klein), RV (gross). Live-Anzeige des Belastungsfehlers: ΔI/I0 (Amperemeter-Effekt) und ΔU/U0 (Voltmeter-Effekt) jeweils in Prozent.
RA1.0 Ω
RV100 kΩ
Imess9.08 mA
ΔI/I₀0.90 %
UR8.991 V
ΔU/UR°-0.01 %
IdealRA=0, RV→∞
1.0
100
1.0
Abb. 21: Multimeter-Aufbau
DefinitionAmperemeter
Strommessgerät. In Reihe in den Zweig schalten. Innenwiderstand RA klein (idealerweise null).
MerkeReihe gegen Parallel
Amperemeter in Reihe (Strom muss durch). Voltmeter parallel (Spannung wird abgegriffen). Verwechslung zerstört das Messgerät.
PrüfungstippVorsicht bei Amperemeter
Falsch parallel geschaltet (Kurzschluss, RA klein) brennt sofort durch. Erst Schaltung prüfen, dann einschalten.
Wie misst man einen Widerstand sehr genau, ohne sich auf die Skalen von Strom- und Spannungsmessern verlassen zu müssen? Mit einem Vergleich gegen bekannte Widerstände. Genau das macht die Wheatstone-Brücke: sie stellt zwei Spannungsteiler nebeneinander und sucht den Punkt, an dem beide gleich teilen.
Setup. Die Quelle mit Spannung U0 speist die Schaltung. Oberer Pfad: R1 und R2 in Serie, mit Mittelpunkt a. Unterer Pfad: R3 und R4 in Serie, mit Mittelpunkt b. Beide Pfade hängen am gleichen Knotenpaar; die Brücken-Diagonale verbindet a und b über ein Galvanometer (oder ein hochohmiges Voltmeter). Die Brücke heisst abgeglichen, wenn das Galvanometer null anzeigt, also φa=φb.
!!!
Abgleichbedingung
R1⋅R4=R2⋅R3
Gilt genau dann, wenn das Galvanometer null anzeigt. Äquivalent: R1/R2=R3/R4, also gleiche Spannungsteiler-Verhältnisse in beiden Pfaden.
In Worten: die Brücke ist genau dann abgeglichen, wenn das Produkt der diagonal gegenüberliegenden Widerstände gleich ist. Herleitung über den Spannungsteiler aus 4.3: das Potential am Mittelpunkt a ist φa=U0⋅R2/(R1+R2), analog φb=U0⋅R4/(R3+R4). Gleichsetzen und umformen liefert direkt R1R4=R2R3. Keine neue Physik nötig.
!!
Unbekannten Widerstand bestimmen
Rx=R3⋅R1R2
Setzt Rx=R4 als unbekannt voraus. R3 ist ein Vergleichsnormal (genau bekannt), R1/R2 ein einstellbares Verhältnis. Im abgeglichenen Zustand folgt Rx direkt aus den drei bekannten Widerständen.
Praxis. Man stellt R3 (Vergleichsnormal) und das Verhältnis R1/R2 ein, bis das Galvanometer null anzeigt. Aus den drei bekannten Widerständen folgt Rx präzise. Vorteil gegenüber der direkten Messung mit Amperemeter und Voltmeter: kein Strom-/Spannungs-Messfehler, weil der Abgleichpunkt eine Nullbedingung ist (Vergleichsmessung statt Absolutmessung). Die Genauigkeit hängt nur von den drei bekannten Widerständen und der Empfindlichkeit des Galvanometers ab.
Unten die vier Widerstände in Brückenkonfiguration, ein Voltmeter in der Diagonale. Zieh die vier Schieber: solange R1⋅R4=R2⋅R3 gilt, zeigt die Diagonale null und das grüne BALANCED erscheint. Sobald du eines verstimmst, fliesst ein Diagonalstrom und der Readout für Vdiag schlägt aus.
Beschreibung
Vier Widerstände in Brückenkonfiguration plus Voltmeter in der Diagonale. Slider regulieren alle vier Widerstände unabhängig. Live-Berechnung der Brückenspannung Vdiag=U0(R2/(R1+R2)−R4/(R3+R4)). Banner BALANCED erscheint gross, wenn ∣Vdiag∣<0.01V. Animierte +-Symbole auf den Drähten zeigen den Konventionsstrom; Elektronen wandern in Metallen physisch entgegen (1.1). Bei Unbalance fliessen Träger durch die Diagonale; bei Abgleich verschwinden sie und das I=0-Label erscheint.
R₁·R₄1.00·10⁶
R₂·R₃1.00·10⁶
Diff0.00·10⁶
φ(a)6.00 V
φ(b)6.00 V
Vdiag0.0000 V
Statusbalanced ✓
1000
1000
1000
1000
1.0
Abb. 22: Wheatstone-Brücke
DefinitionWheatstone-Brücke
Vier-Widerstand-Schaltung zur präzisen Widerstandsmessung über Nullabgleich des Galvanometers.
Acht Aufgaben quer durch das Kapitel, von der Driftgeschwindigkeit bis zur Wheatstone-Brücke. Kreuze deine Antwort an und prüfe sie; danach klappt die vollständige Musterlösung mit Rechenweg auf. Tipp: erst selbst rechnen, dann nachlesen.
Aufgabe 1
Zwei Kupferdrähte mit Durchmessern d1=2.6mm und d2=1.6mm sind hintereinander verschweisst und werden von einem Strom I=15A durchflossen. Nimm an, dass jedes Kupferatom genau ein freies Leitungselektron beisteuert (Teilchendichte n=8.5⋅1028m−3). Wie gross ist die Driftgeschwindigkeit vd der Elektronen im dickeren Abschnitt (d1=2.6mm)?
Lösungsweg
Schritt 1: Formel für die Driftgeschwindigkeit
Wie hängt die Driftgeschwindigkeit mit dem Strom zusammen?
Der Strom durch die Querschnittsfläche ist I=nevdA. Aufgelöst nach vd:
vd=neAI
Schritt 2: Querschnittsfläche des dicken Drahtes
Runder Draht, also A=πd12/4 mit d1=2.6mm.
A=4π(2.6mm)2=5.31mm2=5.31⋅10−6m2
Schritt 3: Einsetzen
Mit n=8.5⋅1028m−3 und e=1.602⋅10−19C:
neAvd=7.2⋅104As/m=7.2⋅104As/m15A≈2.1⋅10−4m/s
Schritt 4: Ergebnis und Einordnung
Ist das schnell?
Also vd≈0.21mm/s, ein Schneckentempo, genau wie in Abb. 5. Im dünnen Abschnitt (d2=1.6mm, A2=2.01mm2) ist vd wegen des kleineren Querschnitts grösser: vd,2=vd,1A1/A2≈0.55mm/s. Die Stromdichten verhalten sich umgekehrt zur Fläche, j1/j2=A2/A1=(d2/d1)2≈0.38.
Aufgabe 2
Durch einen l=10m langen Draht mit Widerstand R=0.20Ω fliesst ein Strom I=5.0A. Wie gross ist die elektrische Feldstärke E im Draht?
Lösungsweg
Schritt 1: Spannungsabfall über dem Draht
Welches Gesetz verknüpft U, R und I?
Das Ohmsche Gesetz, U=RI.
U=RI=(0.20Ω)(5.0A)=1.0V
Schritt 2: Von der Spannung zur Feldstärke
Wie hängen Spannung und Feld im Draht zusammen?
Bei homogenem Feld ist die Spannung gleich Feldstärke mal Länge, U=El, also E=U/l.
E=lU=10m1.0V=0.10V/m
Häufiger Fehler
Nicht E=U setzen. Die Feldstärke ist Spannung pro Länge; ohne die Division durch l landest du bei 1.0V/m, also Faktor 10 daneben.
Aufgabe 3
Bei welcher Temperatur T hat ein Kupferdraht einen um 10% grösseren Widerstand als bei 20∘C? (Temperaturkoeffizient α=3.9⋅10−3∘C−1.)
Lösungsweg
Schritt 1: Modell des temperaturabhängigen Widerstands
Der Widerstand wächst linear mit der Temperatur. Mit der Übertemperatur ΔT=T−20∘C:
R(T)=R20(1+αΔT)
Schritt 2: Bedingung 10 Prozent mehr
Was heisst um 10 Prozent grösser?
R(T)=1.10R20, eingesetzt und gekürzt bleibt:
0.10=α(T−20∘C)
Schritt 3: Nach T auflösen
Den Bruch 0.10/α≈25.6∘C ausrechnen, dann die 20∘C Ausgangstemperatur addieren:
T=20∘C+α0.10=20∘C+25.6∘C≈46∘C
Stolperfalle
Das +20∘C nicht vergessen. 0.10/α≈26∘C ist nur die Temperaturdifferenz zur Ausgangstemperatur, nicht die gesuchte Endtemperatur.
Aufgabe 4
Eine Brücke besteht aus vier gleichen Widerständen R: zwei in Reihe vom Knoten a über c nach b, zwei weitere in Reihe von a über d nach b. Wie gross ist der Ersatzwiderstand zwischen a und b, und was passiert, wenn man einen fünften Widerstand R zwischen c und d einfügt?
Lösungsweg
Schritt 1: die zwei Pfade einzeln
Reihe oder parallel?
Oberer Pfad (von a über c nach b): zwei R hintereinander, also 2R. Unterer Pfad (von a über d nach b): ebenfalls 2R.
Roben=Runten=R+R=2R
Schritt 2: beide Pfade parallel
Die beiden 2R-Pfade hängen am selben Knotenpaar a,b, sind also parallel. Das ergibt Rab=R:
Rab1=2R1+2R1=R1
Schritt 3: der fünfte Widerstand
Fliesst durch die Brücke überhaupt Strom?
Weil alle vier Widerstände gleich sind, teilen beide Pfade die Spannung im selben Verhältnis. Die Mittelpunkte c und d liegen damit auf demselben Potential, φc=φd. Über einem Widerstand zwischen c und d fällt keine Spannung ab, es fliesst kein Strom, und der Ersatzwiderstand bleibt R. Das ist genau die abgeglichene Wheatstone-Brücke aus Abschnitt 7.
Aufgabe 5
In einer Masche liegen zwei ideale Batterien und zwei Widerstände in Reihe: U1=12V und U2=6.0V wirken einander entgegen, dazu R1=2.0Ω und R2=4.0Ω. Wie gross ist der Strom I im Kreis?
Lösungsweg
Schritt 1: Maschenregel ansetzen
Welche Regel passt für eine einzige Schleife?
Die Maschenregel (KVL). Einmal herum: die treibende Batterie U1 steht der Gegenbatterie U2 und beiden Spannungsabfällen gegenüber.
U1−U2−R1I−R2I=0
Schritt 2: nach I auflösen
I=R1+R2U1−U2=2.0Ω+4.0Ω12V−6.0V=1.00A
Schritt 3: Leistungsbilanz
Wo fliesst die Energie hin?
Die 12-V-Batterie gibt P1=U1I=12W ab. Die 6-V-Batterie wirkt dagegen, sie nimmt P2=U2I=6W auf (sie wird also geladen). Die Widerstände verheizen zusammen R1I2+R2I2=2W+4W. Alles geht auf.
12W=6W+2W+4W
Stolperfalle Vorzeichen
Die Gegenbatterie wird subtrahiert, nicht addiert. I=(12+6)/6=3A wäre falsch; das gäbe es nur, wenn beide Batterien in dieselbe Richtung trieben.
Aufgabe 6
Eine reale Batterie mit Quellspannung UQ=6.0V und Innenwiderstand Ri=0.30Ω speist eine Last R. Wie gross ist die an die Last R=5.0Ω abgegebene Leistung?
Lösungsweg
Schritt 1: Strom im Kreis
Warum zählt der Innenwiderstand mit?
Last R und Innenwiderstand Ri liegen in Reihe (KVL um den Kreis), also I=UQ/(R+Ri).
I=R+RiUQ=5.3Ω6.0V≈1.13A
Schritt 2: Leistung an der Last
P=RI2=(5.0Ω)(1.13A)2≈6.4W
Schritt 3: warum nicht 7.2 W?
Ohne den Innenwiderstand käme I=6.0/5.0=1.2A und P=7.2W. Der Innenwiderstand frisst einen Teil weg, deshalb ist die echte Last-Leistung kleiner.
Schritt 4: wo läge das Maximum?
Wäre eine andere Last besser?
Maximale Last-Leistung gibt es bei Impedanzanpassung R=Ri (Abschnitt 5, Abb. 20). Dann wäre Pmax=UQ2/(4Ri)=30W, aber der Wirkungsgrad nur 50%.
Pmax=4RiUQ2=4(0.30Ω)(6.0V)2=30W
Aufgabe 7
Der Zeiger eines Galvanometers schlägt voll aus, wenn ein Strom IG=50.0μA fliesst; der Spannungsabfall über dem Gerät beträgt dann UG=0.250V. Wie gross ist der Innenwiderstand RG des Galvanometers?
Lösungsweg
Schritt 1: Ohmsches Gesetz am Galvanometer
Der Innenwiderstand ist Spannung durch Strom, RG=UG/IG.
RG=IGUG=50.0⋅10−6A0.250V
Schritt 2: Ergebnis
RG=5.00⋅103Ω=5.00kΩ
Einheiten-Check
0.250V geteilt durch 50μA=50⋅10−6A ergibt Kiloohm, nicht Ohm. Das μ (also 10−6) ist der ganze Trick.
Aufgabe 8
Dasselbe Galvanometer (IG=50.0μA bei UG=0.250V Vollausschlag) soll zum Amperemeter für Ströme bis I=100mA werden. Dazu schaltet man einen Widerstand R1 parallel zum Messwerk (Shunt). Wie gross muss R1 sein?
Lösungsweg
Schritt 1: Idee des Shunts
Wohin mit dem überschüssigen Strom?
Das Galvanometer verträgt nur IG=50μA. Der Rest, IR=I−IG, muss am Messwerk vorbei durch den parallelen Shunt R1.
IR=I−IG=100mA−0.050mA=99.95mA
Schritt 2: gleiche Spannung über beiden
Was gilt bei einer Parallelschaltung?
Shunt und Galvanometer liegen parallel, an beiden liegt also dieselbe Spannung UG=RGIG=0.250V. Damit folgt R1:
R1=I−IGUG=99.95mA0.250V≈2.50Ω
Plausibilität
Ein winziger Shunt (2.5Ω) gegen den grossen Galvanometer-Widerstand (5kΩ): fast der ganze Strom fliesst am empfindlichen Messwerk vorbei, genau das schützt es. Passend dazu hat ein gutes Amperemeter einen sehr kleinen Innenwiderstand (Abschnitt 6).